Kapitel 12.III
#11
(05.10.2011, 05:02)Hannes schrieb: "Ich brauche nichts zu tun, außer mich nicht einzumischen."

Dem entspräche das dann also? Und ich kann mir die ganzen Denkverrenkungen über törichte und ungeheuerliche Bitten sparen?

Das führt eher zu einer Verweigerungshaltung statt zu einem aktiven Lernprozess: "Gib den Verstand ab und 'mach' den Kurs."

Als Übungsanleitung oder Vorgehensweise ist das ungeeignet (vergleichbar mit "werde absichtlich absichtslos"), als Zustandbeschreibung ein winziger Aspekt des Ganzen.

Herz Gregor
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#12
Also da hab ich mittlerweile (mehr oder weniger willig Zwinker) gelernt, an die "ungeheuerlichen" Bitten (m)eines Bruders etwas entspannter dranzugehen.
Denn was ich als so "ungeheuerlich" finde, ist inzwischen oftmals pure Trotzhaltung meinerseits. Erlerntes: "der will mir sowieso an den Karren fahren und mich über den Tisch ziehen!"
Ich hab hier mal einen "Bruder" gefragt, was ich denn tun soll, mein Mann habe so "komische" Interessen, da hätte ich ja überhaupt keinen Bock, das mitzumachen. Da hat sie gesagt: machs doch einfach mal mit und schau, vielleicht macht es dir sogar Spaß. Es ging dabei nicht um SM-Spiele, Big Grin , sondern schlicht um Ausflüge oder irgendetwas angucken usw.
Das hat mich sehr beruhigt.
Andererseits kann und will ich auch nicht mehr drüber urteilen, was für meine Mitbrüder "ungeheuerlich" ist. Ich finde, das ist einfach eine Vertrauenssache, sehr individuell, was ich bereit bin, ohne Angst und Misstrauen "mitzumachen". Vor 5 Jahren war ich noch sehr "verletzt", steckte mitten in einer giftigen Beziehung (im eigenen Kopf natürlich, das lerne ich ja grad mit dem Kurs, dass es nie "der andere" ist) und das braucht Zeit und bei mir auch viel weltliche Therapie (die aber für mich nicht ausreicht, ich benötige das "Spirituelle") , je nachdem, wieviel ich an "Gift" mir angelernt habe. Da ist dann die Angst und die Abwehrhaltung und das: der andere will mich ja nur verletzen! groß. In Folge habe ich etwas weniger "Ungeheuerliches" mitgemacht, so dass mir öfters mal versichert wurde: ich bin doch nicht dein Feind, ich will dir nix Böses. :-)
Dann mag es Menschen geben, die ruhen so sicher im inneren Frieden, dass sie alles mögliche "mitmachen".
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#13
So?

Einer berühmten Zengeschichte nach wurde der japanische Zen-Meister Hakuin von seinen Nachbarn stets als "einer, der ein reines Leben führt", gepriesen. In Hakuins Nachbarschaft soll ein wunderschönes Mädchen, dessen Eltern ein Lebensmittelgeschäft besaßen, gewohnt haben. Eines Tages entdeckten ihre Eltern wohl, dass die Tochter schwanger war und sie waren darüber sehr aufgebracht. Aber selbst auf starken Druck seiner Eltern mochte das Mädchen nicht gestehen, wer der Kindsvater war. - Endlich, nach langem Drängen, nannte sie schließlich Hakuin. Voller Zorn und voller Vorwürfe gingen die erbosten Eltern daraufhin zu Hakuin. - "So?", das war alles, was er dazu zu sagen hatte.

Nachdem das Kind schließlich geboren war, brachte man es sofort zu Hakuin. Der schien nun seinen guten Ruf verloren zu haben, was ihm aber offenbar keine unüberwindbaren Sorgen machte, im Gegenteil kümmerte er sich in allerbester Weise um das Kind, wobei er im Übrigen auch Unterstützung von verschiedenen Nachbarn erhielt, denn sie gaben ihm Milch und vieles andere, was das Kleine benötigte.

Ein Jahr später konnte es die junge Mutter dann doch nicht mehr aushalten. Sie beichtete ihren Eltern endlich die Wahrheit, nämlich, dass der echte Vater ein junger Mann sei, der als Verkäufer auf dem örtlichen Fischmarkt arbeitete. Daraufhin gingen Mutter und Vater des Mädchens wieder - diesmal zerknirscht - zu Hakuin und entschuldigten sich wortreich. Selbstverständlich würden sie das Kind, immerhin ihr Enkelkind, wieder mitnehmen. Der alte Zen-Meister war einverstanden. - Während Hakuin das Kind den Großeltern übergab, war alles, was er dazu zu sagen hatte: "So?".


Dieses schöne Gleichnis taucht nicht zum ersten Mal in diesem Forum auf, Gregor hatte es schon mal in etwas anderer Form erwähnt, aber ich finde den Link - "So, so..." - leider nicht mehr.

Obwohl hier eigentlich ein anderes Textbuchkapitel "dran" ist, möchte ich diesen Text zitieren: Du kannst nicht verletzt werden und solltest deinem Bruder nichts außer deiner Ganzheit zeigen.
Zeige ihm, dass er dich nicht verletzen kann, und wirf ihm nichts vor, sonst wirfst du es dir selbst vor.
Das ist die Bedeutung der Worte »die andere Wange hinhalten«.
T-5. "Heilung und Ganzheit": IV.4:4-6

Am Schluss von Kapitel 5 kommt nämlich ein wunderbares Gebet, es beginnt so:Ich muss mich falsch entschieden haben, weil ich nicht in Frieden bin...
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#14
(05.10.2011, 09:49)Michaela_Maria schrieb: Andererseits kann und will ich auch nicht mehr drüber urteilen, was für meine Mitbrüder "ungeheuerlich" ist. Ich finde, das ist einfach eine Vertrauenssache, sehr individuell. Vor 5 Jahren war ich noch sehr "verletzt", steckte mitten in einer giftigen Beziehung (im eigenen Kopf natürlich, das lerne ich ja grad mit dem Kurs, dass es nie "der andere" ist) und das braucht Zeit und bei mir auch viel weltliche Therapie (die aber für mich nicht ausreicht, ich benötige das "Spirituelle") , je nachdem, wieviel ich an "Gift" mir angelernt habe. Da ist dann die Angst und die Abwehrhaltung und das: der andere will mich ja nur verletzen! groß. In Folge werde ich etwas weniger "Ungeheuerliches" mitmachen.
Dann mag es Menschen geben, die ruhen so sicher im inneren Frieden, dass sie alles mögliche "mitmachen".

5. »Jetzt« hat für das Ego keine Bedeutung. Die Gegenwart erinnert es lediglich an vergangene Verletzungen, und es reagiert auf die Gegenwart, als sei sie die Vergangenheit. Das Ego kann eine Befreiung von der Vergangenheit nicht ertragen, und obwohl die Vergangenheit vorbei ist, versucht das Ego, ihr Bild zu erhalten, indem es reagiert, als sei sie gegenwärtig. Es diktiert dir deine Reaktionen auf jene, denen du in der Gegenwart begegnest, von einem vergangenen Bezugspunkt aus und verschleiert ihre gegenwärtige Wirklichkeit. Tatsächlich reagierst du, wenn du dem Diktat des Ego folgst, auf deinen Bruder so, als sei er jemand anders, was mit Sicherheit verhindert, dass du ihn so wahrnimmst, wie er ist. Und du wirst Botschaften aus deiner eigenen Vergangenheit von IHM bekommen, denn indem du sie in der Gegenwart wirklich machst, verbietest du dir, sie loszulassen. Du verweigerst dir auf diese Weise selbst die Botschaft der Befreiung, die jeder Bruder dir jetzt anbietet. [T-13.IV.5]
____________________________________________________________________________
"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
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#15
(05.10.2011, 12:08)Gudrun Dagmar schrieb: Ich muss mich falsch entschieden haben, weil ich nicht in Frieden bin...

Bin unlängst mal wieder über seneca gestolpert:

Zitat:es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, es ist unsere Meinung über die Dinge, die uns beunruhigt.

scheint auch en eifriger Kursleser gewesen zu sein, der alte Römer Zwinker
Katzen sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis verbreitet - über dem 70. Breitengrad kommen Katzen gar nicht vor.
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#16
(04.10.2011, 13:39)Johannes schrieb:
(03.10.2011, 16:54)veronika schrieb: danke sehr ! das gilt auch fuer meine eignen wuensche an mich, oder?
Törichte Wünsche sind törichte Wünsche. Ganz gleich "an wen" sie gerichtet werden...Cool

Smile Johannes

Also Hallo,
ich verstehe dass nicht ganz, was ihr mit törichen Wünsche meint. Gilt dass auch für Krankheiten und Schmerzen. Ist doch nicht törich, wenn man sich wünscht, mal schmerzfrei zusein.Gruebel
♥Grüße rieth
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#17
(06.10.2011, 18:06)rieth schrieb: ich verstehe dass nicht ganz, was ihr mit törichen Wünsche meint.

Wieso "ihr"? Hier geht es um eine Kursstelle.

Ich habe dir gesagt, du sollest, wenn dich ein Bruder um etwas Törichtes bittet, es tun. Vergewissere dich aber, dass das nicht bedeutet, etwas Törichtes zu tun, das entweder ihn oder dich verletzen würde, denn was den einen verletzt, das verletzt auch den andern. Törichte Bitten sind nur deshalb töricht, weil sie in Konflikt sind, da sie immer irgendein Element von Besonderheit enthalten. (T-16.I.6)

(06.10.2011, 18:06)rieth schrieb: Ist doch nicht törich, wenn man sich wünscht, mal schmerzfrei zusein.

Wie kommst du in diesem Zusammenhang darauf? Hat das jemand hier behauptet?

Herz Gregor
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#18
(06.10.2011, 18:55)Gregor schrieb:
(06.10.2011, 18:06)rieth schrieb: ich verstehe dass nicht ganz, was ihr mit törichen Wünsche meint.

Wieso "ihr"? Hier geht es um eine Kursstelle.

Ich habe dir gesagt, du sollest, wenn dich ein Bruder um etwas Törichtes bittet, es tun. Vergewissere dich aber, dass das nicht bedeutet, etwas Törichtes zu tun, das entweder ihn oder dich verletzen würde, denn was den einen verletzt, das verletzt auch den andern. Törichte Bitten sind nur deshalb töricht, weil sie in Konflikt sind, da sie immer irgendein Element von Besonderheit enthalten. (T-16.I.6)

(06.10.2011, 18:06)rieth schrieb: Ist doch nicht törich, wenn man sich wünscht, mal schmerzfrei zusein.

Wie kommst du in diesem Zusammenhang darauf? Hat das jemand hier behauptet?

Herz Gregor

Ich habe mich auch gefragt, ob Wünsche, die sich auf die Genesung des Körpers beziehen, töricht sind.

Herz Christine
Was du mit anderen teilst, bestärkst du.
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#19
(06.10.2011, 19:13)Christine schrieb:
(06.10.2011, 18:55)Gregor schrieb:
(06.10.2011, 18:06)rieth schrieb: ich verstehe dass nicht ganz, was ihr mit törichen Wünsche meint.

Wieso "ihr"? Hier geht es um eine Kursstelle.

Ich habe dir gesagt, du sollest, wenn dich ein Bruder um etwas Törichtes bittet, es tun. Vergewissere dich aber, dass das nicht bedeutet, etwas Törichtes zu tun, das entweder ihn oder dich verletzen würde, denn was den einen verletzt, das verletzt auch den andern. Törichte Bitten sind nur deshalb töricht, weil sie in Konflikt sind, da sie immer irgendein Element von Besonderheit enthalten. (T-16.I.6)

(06.10.2011, 18:06)rieth schrieb: Ist doch nicht törich, wenn man sich wünscht, mal schmerzfrei zusein.

Wie kommst du in diesem Zusammenhang darauf? Hat das jemand hier behauptet?

Herz Gregor

Ich habe mich auch gefragt, ob Wünsche, die sich auf die Genesung des Körpers beziehen, töricht sind.

Herz Christine

Der zitierte Absatz aus T-16.I.6 geht ja noch weiter:
Nur der HEILIGE GEIST erkennt sowohl törichte Bedürfnisse als auch wirkliche.
ER wird dich lehren, wie du beide stillen kannst, ohne dass eines davon verloren geht.

Der Kurs sagt also nicht, dass ich irgendwelche Opfer bringen soll, indem ich beispielsweise auf körperliche Gesundheit verzichte. -
Es geht darum zu lernen, alle Bedürfnisse und Wünsche IHM zu übergeben.

Herz
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#20
(06.10.2011, 20:20)Gudrun Dagmar schrieb: Der zitierte Absatz aus T-16.I.6 geht ja noch weiter:
Nur der HEILIGE GEIST erkennt sowohl törichte Bedürfnisse als auch wirkliche.
ER wird dich lehren, wie du beide stillen kannst, ohne dass eines davon verloren geht.

Der Kurs sagt also nicht, dass ich irgendwelche Opfer bringen soll, indem ich beispielsweise auf körperliche Gesundheit verzichte. -
Es geht darum zu lernen, alle Bedürfnisse und Wünsche IHM zu übergeben.

Herz

Oh...intresting...! Warum denke ich nach so vielen Jahren eigentlich immer noch, dass der Kurs nur an der geistigen Sicht interessiert ist und den Körper völlig negiert? (Ich weiss dass er das NICHT tut, aber nach tausendmal lesen, dass ich meinen Bruder nur als Gottessohn sehen soll, nur das Licht usw...bin ich dann doch geneigt zu denken, dem Kurs ist der Körper egal. Und damit dem heiligen Geist auch.)

Danke!

Herz Christine
Was du mit anderen teilst, bestärkst du.
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