Lehrer, Gurus und Gemeinschaft
#1
(21.11.2013, 14:34)Inge schrieb: Dasselbe löst die Lektüre des Buches "Eyes Wide Open" (Mariana Caplan) aus: wenn man so disziplinlos wie ich daherschlappt, ohne Guru, ohne Gemeinschaft, ohne commitment, etc. bleib ich eh im Finstern der Verdammnis.

Dieser Guru- und Gemeinschaftsgedanke waberte bei mir seit deinem Beitrag im Kopf rum.

Kann der Kurs zum Ziel führen ohne einen Lehrer und ohne eine Gemeinschaft? Schließlich steht ein Weg wie der Buddhismus auf drei wesentlichen Säulen: dem Lehrer/Meister, der Lehre (der notwendige Kontext) und der Gemeinschaft. Alle drei Säulen sind folgerichtig.

Der Kurs liefert augenscheinlich nur die Lehre. Und dann geistert die Mär vom Kurs als Selbststudium durch die Gemeinde. Im Kurs finde ich nichts zu dieser Einschränkung. Aber auch nichts Gegenteiliges. Ich finde auch nichts über die Notwendigkeit von Lehrern/Meistern/Gurus - wenn man von den "älteren Brüdern" und den (fortgeschrittenen) Lehrern Gottes absieht, die jedoch nicht mit einem Lehrer/Guru im buddhistischen Sinne vergleichbar sind.

Im Buddhismus ist der Lehrer/Meister derjenige, der dem Schüler die Egofallen aufzeigt (gerade die subtilen), insbesondere dann, wenn der Schüler auf Grund einiger spiritueller Erlebnisse glaubt, das Ziel erreicht zu haben. Dazu dient begleitend auch die Gemeinschaft. Der Lehrer dient auch als konkrete Projektionsfläche des Schülers für das Ziel, das der Schüler hat: Erleuchtung. Aber der Lehrer hat noch eine andere Funktion: seine "Zielerreichung" wurde von seinem Lehrer geprüft und verifiziert, dasselbe von dessen Lehrer usw. Das verhindert Beliebigkeit und "Lehrer", die als erleuchtet angesehen werden, ohne dass das bestätigt wurde, die irgendwelche "Einsichten" verbreiten. Wie heißt es so schön von einem Zen-Meister: "Erdwürmer im Schleim selbst-verifizierter Erleuchtung."

Gibt es eine solche "Verifikation" für Lehrer Gottes im Sinne des Kurses? Ist das im Kurs-Kontext überhaupt nötig? Läuft der Prozess im Kurs ganz anders?

Ich äußere jetzt mal keine Meinung dazu und lasse daher die Fragen so stehen Big Grin.

Herz Gregor
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#2
(28.11.2013, 23:23)Gregor schrieb: Gibt es eine solche "Verifikation" für Lehrer Gottes im Sinne des Kurses? Ist das im Kurs-Kontext überhaupt nötig? Läuft der Prozess im Kurs ganz anders?

Ich äußere jetzt mal keine Meinung dazu und lasse daher die Fragen so stehen Big Grin.

Danke Gregor.
Also, je weiter ich in besagtem Buch vordringe, desto klarer wird mir, dass ich, soweit ich das überhaupt ehrlich zu beurteilen imstande bin, keine Erleuchtungs-Ambitionen hege. Mein einziger (bewusster) Wunsch ist derzeit einfach der, dass ich allmählich -- und öfter -- jene leise Stimme zu vernehmen bereit bin, die wir hier so kurzerhand und locker "HG" nennen.

Was in diesem Forum (für mich) so hilfreich ist, ist, dass es Leute gibt, die unsere Ego-Tangos aufzeigen -- man ist ja oftmals selbst so blind, wenn man mitten in seinem persönlichen Drama auf dieser Erden-Bühne herumackert.

Inzwischen kann ich auch sehen, dass meine Frage, ob ich ohne Guru ewig in der Finsternis der Vardammung herumzuschleichen habe, eigentlich eine ziemlich lächerliche ist! Ich habe so eine leise Ahnung, dass es sich um die Sorte Frage handelt, die wohl nur ein "spirituelles Ego" (jawolll, das soll's geben!!) stellen kann.... Cool
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"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
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#3
gestern las ich im Handbuch:

"Manchmal mag ein Lehrer Gottes eine kurze Erfahrung der direkten Vereinigung mit Gott haben. In dieser Welt ist es fast unmöglich, dass diese von Dauer ist .... alle weltlichen Zustände müssen illusionär sein. Wenn Gott in einem anhaltenden Bewusstseinszustand direkt erreicht würde, würde der Körper nicht lange aufrechterhalten". H-26, 3:1-2, 7-8

Ich finde, das entmystifiziert das ganz Guru- und Erleuchtungsgetue ziemlich. Ältere Brüder, die einen auf Ego-Fallen hinweisen - ja, aber eine Verifizierung meiner Erleuchtungserfahrung durch einen anderen - völlig grotesk.Big Grin

(29.11.2013, 02:07)Inge schrieb: Inzwischen kann ich auch sehen, dass meine Frage, ob ich ohne Guru ewig in der Finsternis der Vardammung herumzuschleichen habe, eigentlich eine ziemlich lächerliche ist! Ich habe so eine leise Ahnung, dass es sich um die Sorte Frage handelt, die wohl nur ein "spirituelles Ego" (jawolll, das soll's geben!!) stellen kann.... Cool

JouZwinker
So verstehe ich es jedenfalls.....
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#4
(28.11.2013, 23:23)Gregor schrieb: Kann der Kurs zum Ziel führen ohne einen Lehrer und ohne eine Gemeinschaft?
Der Kurs liefert augenscheinlich nur die Lehre. Und dann geistert die Mär vom Kurs als Selbststudium durch die Gemeinde.

Das sind wirklich interessante Fragen, fast schade, dass da kein eigener thread draus wird.
Ich würde gerne den Aspekt „Selbststudium“ aufnehmen. Ich gehöre zu denen, die dieses Wort gebrauchen, wenn sie den Kurs anderen näherbringen wollen. Ich finde zumindest, es beleuchtet einen wesentlichen Aspekt des Kurses: dass er eine Anleitung zum Finden des eigenen Weges ist und dass der wesentliche jeweilige Schritt auf diesem Weg immer der Akt der Vergebung ist, der jedes Mal etwas absolut Individuelles ist, nur im eigenen Erleben stattfindet. Es ist dieser Moment der Entscheidung, welchen Führer ich wähle. Diese Entscheidung muss ja vollzogen werden, und dabei bin ich immer allein, nur in mir.
Was mir an „Selbststudium“ aber vor allem gefällt, ist eine Art Bekenntnis, das dem Wort inneliegt: ich vertraue einem Buch so weit, und finde es so klar, dass ich keine Auslegung dazu brauche! Prinzipiell.
Und jetzt kommt all das andere. Der „erfahrene Bruder“, der mir sicher weiterhelfen kann, die Gemeinschaft, die sich austauscht über die endlosen Egofallen, das ist ganz genau so wichtig. „Ein Bruder mit größerer Erfahrung“: das kann sich ja z.B. auch so zeigen: heute bist du bei einem spez. Thema erfahrener, morgen bei einem anderen ich, etc. Da empfiehlt sich, meine ich, größtmögliche Offenheit, v.a. dem eigenen Lernbedarf, heißt: Vergebungsbedarf gegenüber, da weiß ja jeder sofort, was gemeint ist: wer reagiert auf alle Formen der Angst und Schuld ausschließlich mit Liebe? Hand hoch! Der darf sich Meister nennen! Andererseits sollten wir auch nicht aus falscher Bescheidenheit die Felder in uns verleugnen, die wir schon befriedet haben, wenn ER uns sagt, dass dem so ist (das wäre mein Verständnis von "Verifikation". Wie aber sagt ER uns das? Auch eine spannende Frage!). Das wäre für niemanden hilfreich. Und das könnte bei diesem Thema ja vielleicht eine Orientierung sein: die ehrliche Frage, die ich jederzeit an IHN richte: wie kann ich hilfreich sein?
Und außerdem haben wir ja den großen Vorteil, dass ein MEISTER bei uns ist, der LEBENDIGSTE unter uns: CHRISTUS.
Noch mal zum „Selbststudium“: ich könnte das Wort auch mühelos fallenlassen, ist nur ein Wort. Aber ich könnte mir vorstellen, den Kurs doch weiter so vorzustellen, vielleicht betonend, dass ich nur einen bestimmten Aspekt damit meine. Auf keinen Fall soll das ja in Richtung der neulich besprochenen „Selbstbezogenheit“ gehen. Dann wären wir wieder dem Ego in die Falle gegangen.
Und schon wieder hab’ ich was gelernt. Woran man schon den Segen des Sich-Austauschens sehen kann.

Michael
Die LIEBE kennt keine Dunkelheit. Es ist nur ein kleiner, korrigierbarer Fehler in unserem Denken, zu glauben, dies bedeute, SIE kenne UNS nicht.
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#5
(28.11.2013, 23:23)Gregor schrieb:
(21.11.2013, 14:34)Inge schrieb: Dasselbe löst die Lektüre des Buches "Eyes Wide Open" (Mariana Caplan) aus: wenn man so disziplinlos wie ich daherschlappt, ohne Guru, ohne Gemeinschaft, ohne commitment, etc. bleib ich eh im Finstern der Verdammnis.

Dieser Guru- und Gemeinschaftsgedanke waberte bei mir seit deinem Beitrag im Kopf rum.

Kann der Kurs zum Ziel führen ohne einen Lehrer und ohne eine Gemeinschaft? Schließlich steht ein Weg wie der Buddhismus auf drei wesentlichen Säulen: dem Lehrer/Meister, der Lehre (der notwendige Kontext) und der Gemeinschaft. Alle drei Säulen sind folgerichtig.

Der Kurs liefert augenscheinlich nur die Lehre. Und dann geistert die Mär vom Kurs als Selbststudium durch die Gemeinde. Im Kurs finde ich nichts zu dieser Einschränkung. Aber auch nichts Gegenteiliges. Ich finde auch nichts über die Notwendigkeit von Lehrern/Meistern/Gurus - wenn man von den "älteren Brüdern" und den (fortgeschrittenen) Lehrern Gottes absieht, die jedoch nicht mit einem Lehrer/Guru im buddhistischen Sinne vergleichbar sind.

Im Buddhismus ist der Lehrer/Meister derjenige, der dem Schüler die Egofallen aufzeigt (gerade die subtilen), insbesondere dann, wenn der Schüler auf Grund einiger spiritueller Erlebnisse glaubt, das Ziel erreicht zu haben. Dazu dient begleitend auch die Gemeinschaft. Der Lehrer dient auch als konkrete Projektionsfläche des Schülers für das Ziel, das der Schüler hat: Erleuchtung. Aber der Lehrer hat noch eine andere Funktion: seine "Zielerreichung" wurde von seinem Lehrer geprüft und verifiziert, dasselbe von dessen Lehrer usw. Das verhindert Beliebigkeit und "Lehrer", die als erleuchtet angesehen werden, ohne dass das bestätigt wurde, die irgendwelche "Einsichten" verbreiten. Wie heißt es so schön von einem Zen-Meister: "Erdwürmer im Schleim selbst-verifizierter Erleuchtung."

Gibt es eine solche "Verifikation" für Lehrer Gottes im Sinne des Kurses? Ist das im Kurs-Kontext überhaupt nötig? Läuft der Prozess im Kurs ganz anders?

Ich äußere jetzt mal keine Meinung dazu und lasse daher die Fragen so stehen Big Grin.

Herz Gregor

Forumsmitglied 667 hatte hier in diesem Forum und in Bezug auf dieses Forum einmal einen Satz geprägt, der sinngemäß so lautete:

"Im Grunde führen wie hier doch alle nur fröhliche Selbstgespräche."

Forumsmitglied G.D. - ehemals Miranda - hat dieser eine Satz dann förmlich aus den Socken gerissen.

Natürlich steht genau das Gleiche (sinngemäß) auch im Blauen Buch.

Was wäre dazu noch zu sagen?

Einfach nur: DANKE!
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#6
(28.11.2013, 23:23)Gregor schrieb: Gibt es eine solche "Verifikation" für Lehrer Gottes im Sinne des Kurses? Ist das im Kurs-Kontext überhaupt nötig? Läuft der Prozess im Kurs ganz anders?

Ich äußere jetzt mal keine Meinung dazu und lasse daher die Fragen so stehen Big Grin.

Herz Gregor

Meine Antwort ist: "Ich weiß es nicht"
Ist es nicht dieses offen lassen, was den Prozess prägt? Macht das nicht das an IHN geben aus?

Ich erwarte nicht mehr unbedingt eine Antwort, die ich einordnen kann, ich glaube nicht, dass ich unterscheiden kann, wann ich dem ego folge und wann nicht. Ich glaube auch nicht, dass jemand anderes mir das sagen kann.

Herz
Susanne
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Augustinus
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#7
Den Begriff "Selbststudium" möchte ich noch einmal genauer reflektieren.
Für mich heißt er primär, dass der Kurs ein Hilfsmittel zum Studieren des Selbst ist:
1. Zum Aufdecken, dass ich an ein falsches Selbst glaube (= autonom, getrennt von GOTT bzw. mein eigener Schöpfer zu sein), m.a.W. mir das Ego-Denksystem beigebracht und gelernt habe.
2. Zum Lernen, wie dieses wieder verlernt bzw. vergeben und aufgegeben werden kann, wie ich also zur Rechtgesinntheit und
3. dadurch in die Erfahrung meines wahren SELBST komme.

Der Begriff "Hilfsmittel" beinhaltet für mich auch, dass ich das "blaue Buch" nicht unbedingt dazu brauche, ich könnte meine Lektionen auch einfach in meinem alltäglichen Leben lernen. Das braucht halt einfach nur länger, der Kurs hilft mir enorm viel Zeit einzusparen, da er mich mit allen nötigen Informationen versorgt, die ich zu diesem Lernen brauche. Er sagt mir z.B. worum es in diesem Leben einzig geht (Vergebung) und was nur der Aufrechterhaltung bzw. dem Recycling des Ego-Denksystems dient (Probleme in der Welt zu sehen, die ausschließlich oder zuallererst nach einer innerweltlichen Lösung schreien, statt sie primär als Symbole meines einzigen Problems wahrzunehmen, des Für-wahr-Haltens des ursprünglichen Trennungs- bzw. Autonomiegedankens oder Egos, das eine rein geistige Sache ist).

Dies bedeutet für mich, dass der Kurs nichts an Hilfsmitteln ausschließt, um ihn zu lernen, d.h. mein Selbst im obigen Sinne zu studieren: Keine Sekundärliteratur, keinen persönlichen Lehrer, keine Kursgruppe, kein Kursforum, kein Seminar, keine Kurskonferenz etc. pp. Es ist einfach nur eine Frage, ob ich den einzigen Zweck des Kurses (Selbststudium im obigen Sinn) jederzeit im Auge behalte bzw. mich vom HG (in welcher Form auch immer) daran erinnern lasse, was meine eine Funktion hier und heute ist.

Herz Stephan
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#8
DANKE, Stephan
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#9
(29.11.2013, 22:22)Siboa schrieb: ich glaube nicht, dass ich unterscheiden kann, wann ich dem ego folge und wann nicht.




Ich glaube auch nicht, dass jemand anderes mir das sagen kann.

Als ich mit dem Kurs vor ca. 17 Jahren anfing machte ich folgende Beobachtung:
immer dann, wenn ich mir die Gegenwart, also die augeblickliche Wirklichkeit, eines anderen Menschen ins Bewusstsein rief war ich von Traurigkeit befreit. In dem Moment ist meine Gegenwart genau die selbe wie die eines anderen.

Diese Beobachtung geschah zufällig und ich brachte sie mit dem Kurs erst nicht in Verbindung. Ich vergass auch immer wieder diese Beobachtung und nutze sie zunächst nur experimentell, gab ihr aber keine wesentliche Bedeutung.

Diese Beobachtung nimmt heute einen wesentlichen Teil meiner Kurspraxis ein. Ohne diese Verbindung im Jetzt mit einem anderen ( vollkommen egal wer der/die andere ist) ist der Kurs für mich nicht praktikabel. Durch diese Verbindung wird das SELBST erfahrbar und sichtbar. Dagegen ist alles andere, was ich alleine sehe und denke, vom Ego.

Ich hätte mir Zeit sparen können, wenn mich jemand auf die Bedeutung dieser Beobachtung aufmerksam gemacht hätte.

Ich seh dich erlöst. Du bist erlöst, egal was du über dich glaubst und Alle bleiben bei dir, bis du das siehst.

Zeitweise
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#10
Vielen herzlichen Dank, lieber Stephan und Zeitweise, für eure sehr erläuternden Beiträge.... Herz
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"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
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