Lehrer, Gurus und Gemeinschaft
#21
Das gefällt mir ziemlich gut, was du schreibst, Micha. Soll heißen, so sehe ich es auch. Das eine ist der Versuch im Alltag, das Andere könnte auch einfach so gelingen, weil es ebenso ist. Ich seh es bloß nicht...
Ein guter Grund trotzdem zu feiern...
Antworten
#22
(01.12.2013, 19:09)Gregor schrieb:
(30.11.2013, 13:11)Zeitweise schrieb: Ich hätte mir Zeit sparen können, wenn mich jemand auf die Bedeutung dieser Beobachtung aufmerksam gemacht hätte.

Wer hätte das tun sollen? Mit welcher "Legitimation"?

Es gibt viele selbsternannte Lehrer, die erzählen: "Tue dieses, achte unbedingt darauf, so vergibst du richtig, nutze diese oder jene Technik, dann sparst du Zeit ..." Das kann hilfreich sein - oder Blödsinn. Woher wissen diese Lehrer das? Haben sie die entsprechenden Erfahrungen gemacht oder sind das intellektuelle Schlussfolgerungen? Wer bestimmt, dass diese Lehrer den Weg gegangen sind und ernst genommen werden können?

Vielleicht hätten dir drei Leute die Bedeutung dargelegt - und jeder eine andere. Hätte das dir Zeit sparen können?

Ich plädiere nicht dafür, dass sich im Kurs eine ähnliche Tradition wie in den etablierten spirituellen Richtungen herausbilden muss. Ich habe keinen Bock darauf, noch ein paar hundert Jahre zu warten, bis ich einen Lehrer gefunden habe, der aus einer bestätigten Linie kommt. Aber das ändert nichts an der üblichen Psychologie: dem Verlangen nach Vorbildern, auf die man sein "Befreiungs"- oder "Erleuchtungs"-Ziel projizieren kann (habe ich oft genug erlebt) und die einem sagen, wo es lang geht - einschließlich der Bestätigung oder Nicht-Bestätigung, wenn man sich auf dem Holzweg befindet. Diese Bedürfnisse werden zwangsläufig befriedigt - beispielsweise durch Figuren, die den Lehrer mimen. Mit allen Fallen, die sich darin manifestieren.

Herz Gregor

Heißt das für dich auf einer bestimmten Ebene, dass "man" allein dasteht. Mein Empfinden sagt mir das. Jedwede Art von Urteil erscheint immer fragwürdiger, Orientierung bei anderen holen entspricht meinem menschlichen Bedürfnis, aber sicher bin ich mir nie. Diese Leherkiste hat es in sich.

Herz
Susanne
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Augustinus
Antworten
#23
(05.12.2013, 22:22)Siboa schrieb: Heißt das für dich auf einer bestimmten Ebene, dass "man" allein dasteht. Mein Empfinden sagt mir das. Jedwede Art von Urteil erscheint immer fragwürdiger, Orientierung bei anderen holen entspricht meinem menschlichen Bedürfnis, aber sicher bin ich mir nie.

Nein, dieses Alleinsein oder "Auf-sich-gestellt-sein" sehe ich als Trugschluss an. Der Kurs spielt sich mitten in der Welt ab, obwohl er darüber hinaus zielt. Es ist ein Prozess mit dem Ziel der Schau - und der anschließenden Integration der Schau in der Welt. Man mag frei sein von der Welt, aber man ist nicht ohne sie, "funktioniert" also nach wie vor in der Welt. Dabei ist Feedback sehr hilfreich, wobei sich ein Gespür entwickelt für das, was hilfreich ist und was nicht.

Es besteht immer die Gefahr, auf das Egodenksystem zu hören, obwohl man meint, auf die "Innere Stimme" oder die "Stimme des HEILIGEN GEISTES" zu hören.

(05.12.2013, 22:22)Siboa schrieb: Diese Lehrerkiste hat es in sich.

Hat sie. Und es ist nicht sinnvoll, sie einfach von sich zu weisen.

Das "Lehrerkonzept" des Kurses unterscheidet sich von dem Lehrer-/Meisterkonzept anderer spiritueller Richtung. Es gibt ja sogar ein Handbuch für Lehrer, und die "Lehrer GOTTES", die dort angesprochen werden, sind sicherlich keine "Meister". Sie sind Lehrer und Schüler zugleich.

Das gilt übrigens auch für Lehrer/Meister traditioneller Linien: sie haben immer noch das Selbstverständnis, Schüler zu sein - wenn man von den selbsternannten "Meistern" absieht, die mehr Schaden anrichten als sie nützen. Und die bedauerlicherweise in der Mehrzahl sind.

Herz Gregor
Antworten
#24
Vor ein paar Tagen hab ich einer Bekannten von einem Buch über Advaita erzählt, das ich gerade lese, und da hat sie mich gefragt: Was ist eigentlich Erleuchtung? Ich habe geantwortet: In den meisten, wenn nicht in allen asiatischen spirituellen Traditionen, die sich als Weg zur Erleuchtung verstehen, hat das persönliche Lehrer-Schüler-Verhältnis eine wesentliche und unentbehrliche Funktion. Das hängt auch damit zusammen, dass Texte vor zwei- drei-, vier-, fünftausend Jahren noch nicht so leicht zu verbreiten waren wie jetzt, und selbst wenn es eine schriftliche Überlieferung gegeben hat, war sie eher nur ein Hilfsmittel für die mündliche Überlieferung (wie z.B. Sutren, die nur als Gedächtnisstütze fungieren und ohne einen ausführlichen Kommentar unverständlich sind). Dann braucht man natürlich Kriterien für die Qualifizierung der Lehrer. Die Erleuchtung ist der Abschluss der praktischen Ausbildung, gewissermaßen ein Teil der Lehramtsprüfung. Welche Erfahrungen als Erleuchtung beschrieben und anerkannt werden, ist in jeder Schule ein bisschen anders, aber das ist bei weltlichen Ausbildungwegen ja auch so.

Ich bin dann selbst ein bisschen erschrocken über die Profanität meiner "Erklärung" (hatte auch einfach keine Lust auf ein tiefschürfendes "spirituelles" Gespräch), aber ich denke doch, dass man diese pragmatische Seite bei diesem Thema tatsächlich nicht ganz ignorieren sollte.

Der Kurs spricht zwar von Lehrer-Schüler-Beziehungen, sieht aber eindeutig keine institutionalisierte Lehrfunktion vor und unterläuft dieses Konzept sogar. Ich würde mich da auch nicht zu sehr auf idealisierende Selbstdarstellungen der jeweiligen spirituellen Traditionen verlassen. Ich erinnere mich an ein Buch eines Sinologen über die Ausbreitung des Buddhismus in China, aus dem sich für mich ein völlig anderes Bild des Zen-Buddhismus ergab als es in der Zen-Literatur gezeichnet wird.

Als der Kurs erstmals in den Buchhandel kam, war das Internet bereits im Entstehen. Die Verbreitung von Texten und die Kommunikation mit sehr vielen Menschen über große Distanzen war noch nie so einfach. In der westlichen spirituellen Szene wird auch mit neuen Formen der Institutionalisierung und Gemeinschaftsbildung experimentiert. Dass ein Schüler schon als Kind im Aschram seines Meisters lebt, zuerst einmal nur als Diener und zur allgemeinen Erziehung und Charakterbildung, bevor dann die spirituelle Unterweisung beginnt, und dass das dann eine lebenslange Beziehung bleibt, dürfte sich bei uns in unserer Zeit kaum durchsetzen.

Das jetzt nur ein paar Gedankensplitter. Zu diesem Thema gäbe es noch viel zu sagen.

Herz Elisabeth
Nur Annehmen kann von dir erbeten werden, denn was du bist, ist gewiss. (Ü-I, L.139.8:1)
Antworten
#25
Hallo Elisabeth,

natürlich ist es schwierig, jemand anderem zu erklären, was Erleuchtung sein soll. Man kann es nur von innen heraus erfahren. Erklären kann man quasi nur die "äußere" Seite der Sache, und so klingt auch deine Beschreibung hier. So als wäre es etwas, was man in der Welt erlangen könnte. So wie ich es sehe, ist es aber nicht in der Welt zu erlangen, auch nicht außerhalb davon, beides trifft es nicht. Die Welt wird einfach anders gesehen, als würde sie sich nun selbst sehen, und die Frage, ob es erleuchtete Meister gibt oder nicht, wird völlig bedeutungslos.
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten
#26
(06.12.2013, 08:57)Thomas schrieb: Hallo Elisabeth,

natürlich ist es schwierig, jemand anderem zu erklären, was Erleuchtung sein soll. Man kann es nur von innen heraus erfahren. Erklären kann man quasi nur die "äußere" Seite der Sache, und so klingt auch deine Beschreibung hier. So als wäre es etwas, was man in der Welt erlangen könnte. So wie ich es sehe, ist es aber nicht in der Welt zu erlangen, auch nicht außerhalb davon, beides trifft es nicht. Die Welt wird einfach anders gesehen, als würde sie sich nun selbst sehen, und die Frage, ob es erleuchtete Meister gibt oder nicht, wird völlig bedeutungslos.
Die Welt sieht sich selbst?
???
Antworten
#27
(06.12.2013, 03:24)Elisabeth schrieb: Der Kurs spricht zwar von Lehrer-Schüler-Beziehungen, sieht aber eindeutig keine institutionalisierte Lehrfunktion vor

Aber er schließt sie auch nicht aus, oder? Schließt er überhaupt irgend etwas aus, oder anders gefragt, vermittelt er nicht gerade, dass alles entweder als dem Ego hilfreich oder dem HG hilfreich angesehen werden kann?

(06.12.2013, 03:24)Elisabeth schrieb: und unterläuft dieses Konzept sogar.

worin siehst du das?

Michael
Die LIEBE kennt keine Dunkelheit. Es ist nur ein kleiner, korrigierbarer Fehler in unserem Denken, zu glauben, dies bedeute, SIE kenne UNS nicht.
Antworten
#28
(06.12.2013, 09:40)Gast MM schrieb:
(06.12.2013, 08:57)Thomas schrieb: Hallo Elisabeth,

natürlich ist es schwierig, jemand anderem zu erklären, was Erleuchtung sein soll. Man kann es nur von innen heraus erfahren. Erklären kann man quasi nur die "äußere" Seite der Sache, und so klingt auch deine Beschreibung hier. So als wäre es etwas, was man in der Welt erlangen könnte. So wie ich es sehe, ist es aber nicht in der Welt zu erlangen, auch nicht außerhalb davon, beides trifft es nicht. Die Welt wird einfach anders gesehen, als würde sie sich nun selbst sehen, und die Frage, ob es erleuchtete Meister gibt oder nicht, wird völlig bedeutungslos.
Die Welt sieht sich selbst?
???

Die Welt, die ich bin, sieht sich selbst. Ebenso könnte ich sagen, ich sehe mich selbstZwinker.
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten
#29
(06.12.2013, 09:45)Thomas schrieb: Die Welt sieht sich selbst?
???


Die Welt, die ich bin, sieht sich selbst. Ebenso könnte ich sagen, ich sehe mich selbstZwinker.
Dieses Konzept hab ich oftmals in diversen Satsangforen gelesen und im Zen kommts, glaub ich, auch so ähnlich vor, aber im Kurs noch nicht. Hast du bitte einen Hinweis (Seite, Kapitel, Absatz) für mich, so dass ich noch mal nachlesen kann?
Antworten
#30
Im Advaita oder Zen bin ich als Brahman oder Buddha-Geist die Welt.

In der Begrifflichkeit des Kurses bin ich es, der als gespaltener Geist bzw. als Ego die Welt wie einen Traum projiziert. Als solcher bin ich die Welt. Da die Spaltung aber in Wirklichkeit nie stattfand, ist das was ich wirklich bin - der ungespaltene Geist - natürlich nicht die Welt.
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste