Gibt es eine Vielheit in der EINHEIT?
#1
Ist die Schöpfung Eines oder Vieles? Es gibt nur EINEN SOHN, aber wenn es in der EINHEIT nicht auch Vielheit gibt, wie kann sich dann die Schöpfung ausdehnen?

Die Schöpfung ist die Summe aller GEDANKEN GOTTES{/b], unendlich an der Zahl und überall ohne jede Grenze. […] Denn durch die Ausdehnung möchte ER die Liebe mehren.[…] [b]Die Schöpfung ist der heilige SOHN GOTTES, denn in der Schöpfung ist SEIN WILLE in jedem Aspekt vollständig, weswegen jeder Teil das Ganze voll enthält. (Ü-II.11.1:1, 2:2, 3:2, Übungsbuch S. 462)

Das scheint sich auf den ersten Blick zu widersprechen, denn es gibt nur EINEN SOHN, aber unterschiedliche Aspekte und Teile der Schöpfung, sogar unendliche viele GEDANKEN GOTTES. Ich verstehe diese Passage so, dass EINHEIT und Vielheit einander nicht ausschließen müssen bzw. dass es eine Art von Vielheit gibt, die nicht Trennung und Besonderheit bedeutet. Ideen verlassen ihre Quelle nicht, in diesem Sinn kann sich die Sonne in unendliche viele Strahlen ausdehnen, ohne sich dafür in viele Teile zersplittern zu müssen. Aber die Aussage, dass jeder Teil das Ganze voll enthält, geht noch darüber hinaus. Sharon Salzberg verwendet in ihren Büchern gern das Bild von Indras Netz, wenn sie auf die Verbundenheit von allem mit allem zu sprechen kommt. Das ist ein riesiges Netz, in dem jeder Knoten von einem Kristall gebildet wird. Jeder dieser Kristalle ist so geschliffen, dass sich alle anderen Kristalle darin spiegeln. Egal welchen Knoten man anschaut, man sieht immer das ganze Netz.

Wenn EINHEIT das Gegenteil von Vielheit wäre, dann müsste man sich die Rückkehr des verlorenen Sohnes in das Vaterhaus so denken wie die „Heimkehr“ einer Galaxie in das schwarze Loch in ihrer Mitte, das alles in sich aufsaugt und alle Unterschiede in sich erstickt. Diese Art von Einheit wäre das genaue Gegenteil von Ausdehnung, und sie wäre unvereinbar damit, dass ich mich in SEINER LIEBE für immer geborgen und zu Hause fühlen kann. Dann hätte das Ego Recht, das mir einflüstert: die LIEBE will dich vernichten, und nur ich (Ego) kann dich davor schützen. Die Erklärung, man bräuchte (sollte? darf?) keine Angst davor haben, sich in nichts aufzulösen, fruchtet da herzlich wenig, zumindest bei mir.

Es geht mir bei diesen Fragen nicht um metaphysische Spekulation.

Herz Elisabeth
Nur Annehmen kann von dir erbeten werden, denn was du bist, ist gewiss. (Ü-I, L.139.8:1)
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#2
(03.05.2014, 16:54)Elisabeth schrieb: Ist die Schöpfung Eines oder Vieles? Es gibt nur EINEN SOHN, aber wenn es in der EINHEIT nicht auch Vielheit gibt, wie kann sich dann die Schöpfung ausdehnen?

Die Schöpfung ist die Summe aller GEDANKEN GOTTES{/b], unendlich an der Zahl und überall ohne jede Grenze. […] Denn durch die Ausdehnung möchte ER die Liebe mehren.[…] [b]Die Schöpfung ist der heilige SOHN GOTTES, denn in der Schöpfung ist SEIN WILLE in jedem Aspekt vollständig, weswegen jeder Teil das Ganze voll enthält. (Ü-II.11.1:1, 2:2, 3:2, Übungsbuch S. 462)

Das scheint sich auf den ersten Blick zu widersprechen, denn es gibt nur EINEN SOHN, aber unterschiedliche Aspekte und Teile der Schöpfung, sogar unendliche viele GEDANKEN GOTTES. Ich verstehe diese Passage so, dass EINHEIT und Vielheit einander nicht ausschließen müssen bzw. dass es eine Art von Vielheit gibt, die nicht Trennung und Besonderheit bedeutet. Ideen verlassen ihre Quelle nicht, in diesem Sinn kann sich die Sonne in unendliche viele Strahlen ausdehnen, ohne sich dafür in viele Teile zersplittern zu müssen. Aber die Aussage, dass jeder Teil das Ganze voll enthält, geht noch darüber hinaus. Sharon Salzberg verwendet in ihren Büchern gern das Bild von Indras Netz, wenn sie auf die Verbundenheit von allem mit allem zu sprechen kommt. Das ist ein riesiges Netz, in dem jeder Knoten von einem Kristall gebildet wird. Jeder dieser Kristalle ist so geschliffen, dass sich alle anderen Kristalle darin spiegeln. Egal welchen Knoten man anschaut, man sieht immer das ganze Netz.

Das Problem bei solchen Bildern wie dem "Netz Indras" ist, dass sie den grenzenlosen, zeitlos-ewigen GEIST in raum-zeitliche Formen ("Netz", "Knoten als Kristall") pressen, dadurch gerät aber das Wesentliche verloren, nämlich die Formlosigkeit des GEISTES, und es entsteht der Eindruck von Körpern und von Letzgültigkeit des Wahrnehmungswelt (d.h. es gäbe kein Jenseits der Wahrnehmung und damit keine ERKENNTNIS). Da sind wir dann wieder beim Ego und seiner Welt.
Im HIMMEL gibt es aber keine wie auch immer gearteten Teile, Formen und Körper, d.h. nichts, was wahrgenommen werden könnte. Einssein meint wirklich Eins-sein, d.h. vollständige Ungeschiedenheit und völlige gegenseitige Durchdringung sowie nur logische Unterschiedenheit, da nur der VATER der SCHÖPFER des SOHNES ist und nicht umgekehrt. Und auch das jenseits von Zeit und Raum: Es gibt keine Zeit, wo GOTT ohne SOHN ist, und damit kein SCHÖPFER wäre.
Vielheit kann man hier also durchaus auch denken, aber nicht individualistisch (im Sinne von "kleinste, unteilbare, für sich seiende Teilchen") sondern rein geistig und formlos und wie in der klassischen christlichen Trinitätslehre als wesenhaft in Beziehung stehend ohne irgendwie getrennt zu sein, dafür steht m.E. im Kurs auch der Begriff "Ausdehnung". GOTT ist kein spritueller Körper, sondern reiner GEIST und daher ebenso SEIN SOHN und dessen SCHÖPFUNGEN. Daher oben im Kurszitat auch der Rückgriff auf den Begriff "GEDANKEN GOTTES" im Sinne von zeitlos-ewigen, formlosen IDEEN, weil diese rein geistig und daher formlos sind und somit vollständig aneinander teilhaben können. Was im reinen GEIST möglich ist, ist der Form unmöglich. Körper (welcher Art auch immer) können nicht eins sein, noch werden.

Ich gebe zu, das ist alles sehr abstrakt und es kann auch nicht anders sein, aber ich hoffe damit trotzdem ein wenig zur Klärung beitragen zu können.

Eine Frage hätte ich in diesem Zusammenhang selbst noch: Redet der Kurs neben "EINSSEIN" auch von Einheit?

Herz Stephan
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#3
Um Elisabeths andere Frage mit dieser zu verknüpfen und ein Resumee aus dem obigen zu ziehen:
Nein, m.E. gibt es zwar Vielheit, aber dennoch keine Individuen, weil es im HIMMEL kein Für-sich-Sein gibt, sondern ausschließlich vollkommene Kommunion. Alle teilen sich in all ihren Aspekten, Fähigkeiten, auch in ihrem Sein vollkommen, kein GEDANKE GOTTES hat irgendetwas für sich allein -> es gibt keine Privatsphäre (die gehört dem Ego an).
Wie es im Kurs heißt, teilt auch der VATER SEINE VATERSCHAFT mit dem SOHN, indem dieser wiederum VATER seiner SCHÖPFUNGEN ist und so kann man das bis in alle Unendlichkeit fortsetzen - ohne jede zeitliche oder räumliche Abfolge, sondern nur logisch, d.h. von der Ursache-Wirkung-Beziehung her gereiht, was zugegebenermaßen für unseren mentalen Geist, der stets in raumzeitlichen Kategorien denkt, schwer nachzuvollziehen bzw. vorzustellen ist.

Herz Stephan
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#4
Für mich entsteht hier die Frage, was den Himmel vom Nichts unterscheidet, für mich eine nicht unattraktive Vorstellung.

Herz
Susanne
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Augustinus
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#5
(05.05.2014, 16:15)Stephan schrieb: Das Problem bei solchen Bildern wie dem "Netz Indras" ist, dass sie den grenzenlosen, zeitlos-ewigen GEIST in raum-zeitliche Formen ("Netz", "Knoten als Kristall") pressen, dadurch gerät aber das Wesentliche verloren, nämlich die Formlosigkeit des GEISTES, und es entsteht der Eindruck von Körpern und von Letzgültigkeit des Wahrnehmungswelt (d.h. es gäbe kein Jenseits der Wahrnehmung und damit keine ERKENNTNIS). Da sind wir dann wieder beim Ego und seiner Welt.
Im HIMMEL gibt es aber keine wie auch immer gearteten Teile, Formen und Körper, d.h. nichts, was wahrgenommen werden könnte. Einssein meint wirklich Eins-sein, d.h. vollständige Ungeschiedenheit und völlige gegenseitige Durchdringung sowie nur logische Unterschiedenheit, da nur der VATER der SCHÖPFER des SOHNES ist und nicht umgekehrt. Und auch das jenseits von Zeit und Raum: Es gibt keine Zeit, wo GOTT ohne SOHN ist, und damit kein SCHÖPFER wäre.
Vielheit kann man hier also durchaus auch denken, aber nicht individualistisch (im Sinne von "kleinste, unteilbare, für sich seiende Teilchen") sondern rein geistig und formlos und wie in der klassischen christlichen Trinitätslehre als wesenhaft in Beziehung stehend ohne irgendwie getrennt zu sein, dafür steht m.E. im Kurs auch der Begriff "Ausdehnung". GOTT ist kein spritueller Körper, sondern reiner GEIST und daher ebenso SEIN SOHN und dessen SCHÖPFUNGEN. Daher oben im Kurszitat auch der Rückgriff auf den Begriff "GEDANKEN GOTTES" im Sinne von zeitlos-ewigen, formlosen IDEEN, weil diese rein geistig und daher formlos sind und somit vollständig aneinander teilhaben können. Was im reinen GEIST möglich ist, ist der Form unmöglich. Körper (welcher Art auch immer) können nicht eins sein, noch werden.

Ja, natürlich ist Indras Netz nur ein Bild für etwas, das in Wahrheit nicht abbildbar ist. Aber auch für die klassische christliche Trinität verwendet man Bilder. Auch die Rede von "VATER" und "SOHN" ist bildlich gesprochen und meint keine biologische Abstammung.

Ich habe mich auf ein Kapitel über die Schöpfung bezogen, und der Kurs sagt ja, dass das Verständnis der Schöpfung das menschliche Begriffsvermögen übersteigt. Insofern bewegt man sich da von Haus aus sehr am Rand des noch Sinnvollen. Die Intention für meine Frage geht auch nicht in die Richtung, ob es im HIMMEL Individuen gibt, sondern: Sind die Begriffe Vielfalt und Individualität auf dem Weg bis zur Himmelstür nur Hindernisse oder auch nützliche Vehikel? Hat es dafür einen Sinn, zwischen Individualität und Getrenntheit zu unterscheiden?

Was sagt eigentlich die klassische christliche Theologie zur Individualität der Seele?

Zitat:Eine Frage hätte ich in diesem Zusammenhang selbst noch: Redet der Kurs neben "EINSSEIN" auch von Einheit?

Das weiß ich nicht, und ich verstehe auch nicht so ganz, worauf deine Frage abzielt. In dem Kapitel 11 über die Schöpfung ist sowohl von Einheit als auch von Einssein die Rede, wobei ich meine, dass beides dasselbe bedeutet. Keines von beidem ist in Kapitälchen gesetzt, aber gerade in diesem Kapitel kommt mir die Verwendung der Kapitälchen ziemlich willkürlich vor, ich würde keine allzu weitreichenden Schlüsse draus ziehen.

Herz Elisabeth

(05.05.2014, 19:41)Siboa schrieb: Für mich entsteht hier die Frage, was den Himmel vom Nichts unterscheidet, für mich eine nicht unattraktive Vorstellung.

Wie meinst du das? Ist das Nichts für dich eine attraktive Vorstellung?

Herz Elisabeth
Nur Annehmen kann von dir erbeten werden, denn was du bist, ist gewiss. (Ü-I, L.139.8:1)
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#6
(05.05.2014, 19:41)Siboa schrieb: Für mich entsteht hier die Frage, was den Himmel vom Nichts unterscheidet, für mich eine nicht unattraktive Vorstellung.

Herz
Susanne
Philipp Mainländer???
Zwinker
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#7
(06.05.2014, 18:41)Gast MM schrieb:
(05.05.2014, 19:41)Siboa schrieb: Für mich entsteht hier die Frage, was den Himmel vom Nichts unterscheidet, für mich eine nicht unattraktive Vorstellung.

Herz
Susanne
Philipp Mainländer???
Zwinker

????
kenn ich nicht, deswegen verstehe ich den Witz nicht.

Ich erinnere mich, dass, wenn ich aus einer Narkose aufgewacht war an Nichts, ich fand das wirklich gut.
Vielleicht kommt der Gedanke daher, dass ich immer so viel denken muss und manchmal glaube, es wäre schön, das mal nicht mehr zu tun.
Keine Ahnung.

Herz
Susanne
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Augustinus
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#8
(06.05.2014, 19:05)Siboa schrieb: Vielleicht kommt der Gedanke daher, dass ich immer so viel denken muss und manchmal glaube, es wäre schön, das mal nicht mehr zu tun.
Keine Ahnung.

Herz
Susanne

Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Sofern es um das Geplapper in meinem Eierkopf geht.
Es ist schon länger her, dass ich es das letzte Mal getan habe. Im Augenblick kann ich es mir auch nicht vorstellen, es noch einmal ausprobieren zu wollen. Hab' mich mal gedanklich dahin führen lassen, nachzufühlen, was wäre, wenn es tatsächlich nichts gäbe. Also angenommen...so richtig gar nichts. Das waren mit die schlimmsten Angstzustände, die darauf folgten, die ich je hatte. Wobei....Angst ist immer Scheiße, egal wie.

Herz toni
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#9
(06.05.2014, 20:43)toni schrieb:
(06.05.2014, 19:05)Siboa schrieb: Vielleicht kommt der Gedanke daher, dass ich immer so viel denken muss und manchmal glaube, es wäre schön, das mal nicht mehr zu tun.
Keine Ahnung.

Herz
Susanne

Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Sofern es um das Geplapper in meinem Eierkopf geht.
Es ist schon länger her, dass ich es das letzte Mal getan habe. Im Augenblick kann ich es mir auch nicht vorstellen, es noch einmal ausprobieren zu wollen. Hab' mich mal gedanklich dahin führen lassen, nachzufühlen, was wäre, wenn es tatsächlich nichts gäbe. Also angenommen...so richtig gar nichts. Das waren mit die schlimmsten Angstzustände, die darauf folgten, die ich je hatte. Wobei....Angst ist immer Scheiße, egal wie.

Herz toni

Ist bei mir anders. Die Vorstellung von Nichts ängstigt mich nicht.

Herz
Susanne
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Augustinus
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#10
(06.05.2014, 20:48)Siboa schrieb: Ist bei mir anders. Die Vorstellung von Nichts ängstigt mich nicht.

Herz
Susanne

Vielleicht hat "dein" Nichts ja die Beudeutung von allem, so wie der Kurs ALLES meint. Ich weiß es nicht. Ist bloß eine Idee.

Herz toni
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