Kamel anbinden
#1
Im Kurs habe ich nirgendwo eine eindeutige Antwort auf die Frage gefunden, wie sich die wahrgenommene Diskrepanz auflösen lässt, einerseits den Erfordernissen der Welt zu genügen und andererseits dem spirituellen Ziel des Kurses zu folgen. In der Welt stehen dauernd Entscheidungen an, die getroffen werden müssen. Wenn ein tonnenschwerer Laster auf mich zu fährt, kann ich natürlich sagen, dass es nur eine Illusion ist, aber die Entscheidung, zur Seite zu springen, erscheint deutlich sinnvoller. Habe ich Hunger, könnte ich mich natürlich auf die geistige Einheit ohne Bedürfnisse konzentrieren. Aber ein belegtes Brot wirkt doch irgendwie deutlich effizienter. Und bei Zahnschmerzen ... Beispiele gibt es genügend.

Das Kursziel erfordert wiederum, keine Entscheidung selbst zu treffen - weil ich es gar nicht kann. Das führt dann gelegentlich zu Vermeidungsstrategien in Bezug auf weltliche Entscheidungen, weil ich ja "weiß", dass weltliche Entscheidungen keine Entscheidungen sind, da es keine echten Alternativen in der Welt gibt. Dummerweise ändert das nichts an der Tatsache, dass die Welt ständig Entscheidungen erwartet. Völlig egal, ob die Alternativen Illusion sind oder nicht.

Es ist auf jeden Fall nicht die Intention des Kurses, dass ich nicht mehr in der Welt funktioniere. Der Kurs ignoriert die Welt nicht und wischt sie auch nicht mit einer lässigen Handbewegung zur Seite. Denn sonst wäre er völlig unpraktisch und sinnfrei, höchstens als geistige Spekulation und mehr oder weniger amüsanter Zeitvertreib zu gebrauchen.

Um noch einmal die Metapher vom Kamel-Anbinden zu gebrauchen: Der Schüler kommt zum Rabbi und sagt: "Ich habe mein Kamel frei laufen lassen, denn ich vertraue Gott so sehr. Er wird darauf achten." Und der Rabbi antwortet: "Geh und binde dein Kamel an. Belästige Gott nicht mit solchen Kleinigkeiten."

Spiritualität ist die eine Seite, Alltagserfordernisse die andere. Und so lese ich ziemlich zu Beginn der CoA-Version (Übersetzung von mir):

Vorausplanung ist ein guter Rat in dieser Welt, in der du kontrollieren und führen solltest und musst, wo du Verantwortung übernommen hast. Aber der universelle Plan ist in angemesseneren Händen. Du wirst alles wissen, was du wissen musst. Mache keinen Versuch, in dieser Hinsicht vorauszuplanen.


Na, wer sagt's denn: Binde dein Kamel an. In Kurssprech. Tongue

Ein ganzes Stückchen weiter heißt es:

Nur dann, wenn die Mittel und Ziele nicht von der gleichen Ordnung der Wirklichkeit sind, gibt es Angst.
...
Solange es Zeit gibt, sind Gemeinschaft und Brot notwendig.


In dem Absatz wird gesagt, dass wir die geistige Ebene und die physische Ebene nicht verwechseln sollten. Wir sollten nicht glauben, dass "Brot" unser Bedürfnis nach spiritueller Gemeinschaft/Einheit befriedigen kann, noch dass die Einheit unser Bedürfnis nach "Brot" befriedigen kann. Das würde bedeuten, ein Mittel zu verwenden, das zu einer Ebene gehört, um ein Ziel zu verfolgen, das zu einer anderen Ebene gehört.

Wenn wir das tun, fühlen wir Angst.

Also, liebe Kinder, wenn ihr über die Straße geht: Erst nach links gucken, dann nach rechts, und dann nochmal nach links. Aber in England umgekehrt.

Herz Gregor
Antworten
#2
(01.03.2017, 23:55)Gregor schrieb: Also, liebe Kinder, wenn ihr über die Straße geht: Erst nach links gucken, dann nach rechts, und dann nochmal nach links. Aber in England umgekehrt.

Herz Gregor

Klatsch 

Danke dir, Gregor für die Erinnerung daran, den eigenen Glauben an die Wirklichkeit der Illusion nicht zu verleugnen und auf dieser Ebene das zu tun, was eben grad ansteht.

Herz  toni
Antworten
#3
(01.03.2017, 23:55)Gregor schrieb: Im Kurs habe ich nirgendwo eine eindeutige Antwort auf die Frage gefunden, wie sich die wahrgenommene Diskrepanz auflösen lässt, einerseits den Erfordernissen der Welt zu genügen und andererseits dem spirituellen Ziel des Kurses zu folgen. In der Welt stehen dauernd Entscheidungen an, die getroffen werden müssen. Wenn ein tonnenschwerer Laster auf mich zu fährt, kann ich natürlich sagen, dass es nur eine Illusion ist, aber die Entscheidung, zur Seite zu springen, erscheint deutlich sinnvoller. Habe ich Hunger, könnte ich mich natürlich auf die geistige Einheit ohne Bedürfnisse konzentrieren. Aber ein belegtes Brot wirkt doch irgendwie deutlich effizienter. Und bei Zahnschmerzen ... Beispiele gibt es genügend.

Das Kursziel erfordert wiederum, keine Entscheidung selbst zu treffen - weil ich es gar nicht kann. Das führt dann gelegentlich zu Vermeidungsstrategien in Bezug auf weltliche Entscheidungen, weil ich ja "weiß", dass weltliche Entscheidungen keine Entscheidungen sind, da es keine echten Alternativen in der Welt gibt. Dummerweise ändert das nichts an der Tatsache, dass die Welt ständig Entscheidungen erwartet. Völlig egal, ob die Alternativen Illusion sind oder nicht.

Es ist auf jeden Fall nicht die Intention des Kurses, dass ich nicht mehr in der Welt funktioniere. Der Kurs ignoriert die Welt nicht und wischt sie auch nicht mit einer lässigen Handbewegung zur Seite. Denn sonst wäre er völlig unpraktisch und sinnfrei, höchstens als geistige Spekulation und mehr oder weniger amüsanter Zeitvertreib zu gebrauchen.

Um noch einmal die Metapher vom Kamel-Anbinden zu gebrauchen: Der Schüler kommt zum Rabbi und sagt: "Ich habe mein Kamel frei laufen lassen, denn ich vertraue Gott so sehr. Er wird darauf achten." Und der Rabbi antwortet: "Geh und binde dein Kamel an. Belästige Gott nicht mit solchen Kleinigkeiten."

Spiritualität ist die eine Seite, Alltagserfordernisse die andere. Und so lese ich ziemlich zu Beginn der CoA-Version (Übersetzung von mir):

Vorausplanung ist ein guter Rat in dieser Welt, in der du kontrollieren und führen solltest und musst, wo du Verantwortung übernommen hast. Aber der universelle Plan ist in angemesseneren Händen. Du wirst alles wissen, was du wissen musst. Mache keinen Versuch, in dieser Hinsicht vorauszuplanen.


Na, wer sagt's denn: Binde dein Kamel an. In Kurssprech. Tongue

Ein ganzes Stückchen weiter heißt es:

Nur dann, wenn die Mittel und Ziele nicht von der gleichen Ordnung der Wirklichkeit sind, gibt es Angst.
...
Solange es Zeit gibt, sind Gemeinschaft und Brot notwendig.


In dem Absatz wird gesagt, dass wir die geistige Ebene und die physische Ebene nicht verwechseln sollten. Wir sollten nicht glauben, dass "Brot" unser Bedürfnis nach spiritueller Gemeinschaft/Einheit befriedigen kann, noch dass die Einheit unser Bedürfnis nach "Brot" befriedigen kann. Das würde bedeuten, ein Mittel zu verwenden, das zu einer Ebene gehört, um ein Ziel zu verfolgen, das zu einer anderen Ebene gehört.

Wenn wir das tun, fühlen wir Angst.

Also, liebe Kinder, wenn ihr über die Straße geht: Erst nach links gucken, dann nach rechts, und dann nochmal nach links. Aber in England umgekehrt.

Herz Gregor

Schöne Antwort auf das Thema (( Big Grin ))

Herz René
Antworten
#4
(01.03.2017, 23:55)Gregor schrieb: Im Kurs habe ich nirgendwo eine eindeutige Antwort auf die Frage gefunden, wie sich die wahrgenommene Diskrepanz auflösen lässt, einerseits den Erfordernissen der Welt zu genügen und andererseits dem spirituellen Ziel des Kurses zu folgen. In der Welt stehen dauernd Entscheidungen an, die getroffen werden müssen. Wenn ein tonnenschwerer Laster auf mich zu fährt, kann ich natürlich sagen, dass es nur eine Illusion ist, aber die Entscheidung, zur Seite zu springen, erscheint deutlich sinnvoller. Habe ich Hunger, könnte ich mich natürlich auf die geistige Einheit ohne Bedürfnisse konzentrieren. Aber ein belegtes Brot wirkt doch irgendwie deutlich effizienter. Und bei Zahnschmerzen ... Beispiele gibt es genügend.

Das Kursziel erfordert wiederum, keine Entscheidung selbst zu treffen - weil ich es gar nicht kann. Das führt dann gelegentlich zu Vermeidungsstrategien in Bezug auf weltliche Entscheidungen, weil ich ja "weiß", dass weltliche Entscheidungen keine Entscheidungen sind, da es keine echten Alternativen in der Welt gibt. Dummerweise ändert das nichts an der Tatsache, dass die Welt ständig Entscheidungen erwartet. Völlig egal, ob die Alternativen Illusion sind oder nicht.

Es ist auf jeden Fall nicht die Intention des Kurses, dass ich nicht mehr in der Welt funktioniere. Der Kurs ignoriert die Welt nicht und wischt sie auch nicht mit einer lässigen Handbewegung zur Seite. Denn sonst wäre er völlig unpraktisch und sinnfrei, höchstens als geistige Spekulation und mehr oder weniger amüsanter Zeitvertreib zu gebrauchen.

Um noch einmal die Metapher vom Kamel-Anbinden zu gebrauchen: Der Schüler kommt zum Rabbi und sagt: "Ich habe mein Kamel frei laufen lassen, denn ich vertraue Gott so sehr. Er wird darauf achten." Und der Rabbi antwortet: "Geh und binde dein Kamel an. Belästige Gott nicht mit solchen Kleinigkeiten."

Spiritualität ist die eine Seite, Alltagserfordernisse die andere. Und so lese ich ziemlich zu Beginn der CoA-Version (Übersetzung von mir):

Vorausplanung ist ein guter Rat in dieser Welt, in der du kontrollieren und führen solltest und musst, wo du Verantwortung übernommen hast. Aber der universelle Plan ist in angemesseneren Händen. Du wirst alles wissen, was du wissen musst. Mache keinen Versuch, in dieser Hinsicht vorauszuplanen.


Na, wer sagt's denn: Binde dein Kamel an. In Kurssprech. Tongue

Ein ganzes Stückchen weiter heißt es:

Nur dann, wenn die Mittel und Ziele nicht von der gleichen Ordnung der Wirklichkeit sind, gibt es Angst.
...
Solange es Zeit gibt, sind Gemeinschaft und Brot notwendig.


In dem Absatz wird gesagt, dass wir die geistige Ebene und die physische Ebene nicht verwechseln sollten. Wir sollten nicht glauben, dass "Brot" unser Bedürfnis nach spiritueller Gemeinschaft/Einheit befriedigen kann, noch dass die Einheit unser Bedürfnis nach "Brot" befriedigen kann. Das würde bedeuten, ein Mittel zu verwenden, das zu einer Ebene gehört, um ein Ziel zu verfolgen, das zu einer anderen Ebene gehört.

Wenn wir das tun, fühlen wir Angst.

Also, liebe Kinder, wenn ihr über die Straße geht: Erst nach links gucken, dann nach rechts, und dann nochmal nach links. Aber in England umgekehrt.

Herz Gregor


Wenn ich das richtig verstehe, dann bedeutet das, dass der Körper geheilt ist und dass wir immer genug zu essen und Gemeinschaft haben werden, wenn wir auf Gott vertrauen u n d unseren weltlichen Pflichten nachkommen.
Antworten
#5
(02.03.2017, 21:22)Zeitweise schrieb: Wenn ich das richtig verstehe, dann bedeutet das, dass der Körper geheilt ist und dass wir immer genug zu essen und Gemeinschaft haben werden, wenn wir auf Gott vertrauen u n d unseren weltlichen Pflichten nachkommen.

Wenn du das richtig verstehst ...

Ich verstehe es nicht so. Aber ich verstehe auch nicht, wie man es so verstehen könnte.  Big Grin

Herz Gregor
Antworten
#6
(02.03.2017, 09:26)toni schrieb: Klatsch 

Danke dir, Gregor für die Erinnerung daran, den eigenen Glauben an die Wirklichkeit der Illusion nicht zu verleugnen und auf dieser Ebene das zu tun, was eben grad ansteht.

Herz  toni

Ich finde die Zweiseitigkeit überraschend: Dass weltliche Mittel nicht geeignet sind, spirituelle Ziele zu erreichen, ist ja noch akzeptabel. Aber dass spirituelle Mittel auch nicht geeignet sind, physische Probleme zu lösen, kommt hier und da wohl nicht so gut an. Zum Beispiel, wenn man Erleuchtung für die Lösung aller (weltlichen) Probleme hält.

Oder was ist mit den geistigen Heilern, die mit dem Kurs unter dem Arm ihrer Profession nachgehen?

Herz Gregor
Antworten
#7
(02.03.2017, 22:12)Gregor schrieb: Oder was ist mit den geistigen Heilern, die mit dem Kurs unter dem Arm ihrer Profession nachgehen?

Ich muss da grad an Margarethe Randow-Tesch denken. Sie würde ja nie behaupten, dass sie jemanden heilen könne. Was sind dann ihre Seminare - Hilfe zur Selbstheilung? Wie kann man das beschreiben? Im Kurs steht irgendwo sinngemäß, dass Heilung nur auf gleicher Augenhöhe geschehen kann, also nicht, wenn sich einer für den Heiler hält und den anderen für den, der geheilt werden muss.
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten
#8
(02.03.2017, 22:12)Gregor schrieb:
(02.03.2017, 09:26)toni schrieb: Klatsch 

Danke dir, Gregor für die Erinnerung daran, den eigenen Glauben an die Wirklichkeit der Illusion nicht zu verleugnen und auf dieser Ebene das zu tun, was eben grad ansteht.

Herz  toni

Ich finde die Zweiseitigkeit überraschend: Dass weltliche Mittel nicht geeignet sind, spirituelle Ziele zu erreichen, ist ja noch akzeptabel. Aber dass spirituelle Mittel auch nicht geeignet sind, physische Probleme zu lösen, kommt hier und da wohl nicht so gut an. Zum Beispiel, wenn man Erleuchtung für die Lösung aller (weltlichen) Probleme hält.

Oder was ist mit den geistigen Heilern, die mit dem Kurs unter dem Arm ihrer Profession nachgehen?

Herz Gregor

Für sie ist es auch ratsam, "das Kamel anzubinden".

Herz  toni
Antworten
#9
(03.03.2017, 06:53)Thomas schrieb:
(02.03.2017, 22:12)Gregor schrieb: Oder was ist mit den geistigen Heilern, die mit dem Kurs unter dem Arm ihrer Profession nachgehen?

Ich muss da grad an Margarethe Randow-Tesch denken. Sie würde ja nie behaupten, dass sie jemanden heilen könne. Was sind dann ihre Seminare - Hilfe zur Selbstheilung? Wie kann man das beschreiben? Im Kurs steht irgendwo sinngemäß, dass Heilung nur auf gleicher Augenhöhe geschehen kann, also nicht, wenn sich einer für den Heiler hält und den anderen für den, der geheilt werden muss.

So ein Seminar hatte ich nicht im Sinn, als ich die geistigen Heiler ansprach. Da ging es mehr um verbreitete Heilungsangebote an Otto Normalkranker, die sich auf beliebige "geistige" Praktiken beziehen. Und des öfteren findet auch der Kurs im Portfolio des Heilers: Spirituelle Prinzipien zur Lösung körperlicher und psychischer Probleme. Oder eben Mittel, die zu einer Ebene gehören, um ein Ziel zu verfolgen, das zu einer anderen Ebene gehört.

Das erzeugt Angst, nicht Heilung.

Herz Gregor
Antworten
#10
(03.03.2017, 22:34)Gregor schrieb: So ein Seminar hatte ich nicht im Sinn, als ich die geistigen Heiler ansprach. Da ging es mehr um verbreitete Heilungsangebote an Otto Normalkranker, die sich auf beliebige "geistige" Praktiken beziehen. Und des öfteren findet auch der Kurs im Portfolio des Heilers: Spirituelle Prinzipien zur Lösung körperlicher und psychischer Probleme. Oder eben Mittel, die zu einer Ebene gehören, um ein Ziel zu verfolgen, das zu einer anderen Ebene gehört.

Das erzeugt Angst, nicht Heilung.

Herz Gregor
Siehst du, genau diese "Ebenen" - 'Unterscheidungen' sind (für mich) die grandioseste Verhohnepiepelung, die es "auf der Welt" gibt. Auf deutsch gesagt: die größte Verarschung.
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