Nur das Ego
#1
Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen. Vor ein paar Tagen schrieb ich mit einem Freund über whatsapp hin und her. Wir alberten etwas herum, doch plötzlich reagierte er auf eine Bemerkung von mir sarkastisch und angreifend. Ich fühlte mich verletzt, antwortete ganz knapp und distanziert und schaltete das Handy für einen Tag ab. Ich war gekränkt, doch konnte ich sehen, dass wir beide an alte Wunden gerührt hatten. Am Tag darauf bereinigten wir alles und mir wurde klar, dass ich eigentlich überhaupt nicht auf ihn böse war. Ich war böse auf die Bemerkung als solche, auf seine und meine Gekränktheit, ich sah einfach das Ego bei der Arbeit. Sein Ego und mein Ego - eigentlich gar kein Unterschied. Es fiel mir ganz leicht, ihm zu vergeben, weil ich sah, dass das gar nicht wirklich er war. Und ebenso war es nicht wirklich ich, der so gekränkt und eingeschnappt reagiert hatte. Nur das Ego eben.....
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten
#2
(03.05.2017, 15:13)Thomas schrieb:  Sein Ego und mein Ego - eigentlich gar kein Unterschied. Es fiel mir ganz leicht, ihm zu vergeben, weil ich sah, dass das gar nicht wirklich er war. Und ebenso war es nicht wirklich ich, der so gekränkt und eingeschnappt reagiert hatte. Nur das Ego eben.....

Ihm?
Nehmen wir denn Vergebung nicht immer nur erst für uns an?
Aus deiner Story geht deutlich hervor, dass dies geschah; demnach dehnt sie sich auch auf ihn aus.  Herz
(So verstehe ich es jedenfalls -- um deinen Leitsatz zu gebrauchen... Big Grin )
____________________________________________________________________________
"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
Antworten
#3
(03.05.2017, 17:05)Inge schrieb:
(03.05.2017, 15:13)Thomas schrieb:  Sein Ego und mein Ego - eigentlich gar kein Unterschied. Es fiel mir ganz leicht, ihm zu vergeben, weil ich sah, dass das gar nicht wirklich er war. Und ebenso war es nicht wirklich ich, der so gekränkt und eingeschnappt reagiert hatte. Nur das Ego eben.....

Ihm?
Nehmen wir denn Vergebung nicht immer nur erst für uns an?
Aus deiner Story geht deutlich hervor, dass dies geschah; demnach dehnt sie sich auch auf ihn aus.  Herz

Gute Frage ...... soweit ich weiß, schreibt Ken Wapnick, dass man immer erst dem Bruder vergibt, um sich selbst vergeben zu können. Weil man nämlich die tiefe unbewusste Schuld in sich selbst gar nicht sehen kann. Sie wurde ja auf andere oder anderes projiziert. Vergebe ich es dort, vergebe ich auch mir selbst. Wobei diese Unterscheidung zwischen ihm und mir letztlich natürlich irrelevant ist. Wahre Vergebung ist ja nichts, was zwischen zwei Personen stattfindet. Aber von der Theorie mal abgesehen - wie habe ich es empfunden? Ich weiß gar nicht so recht, die Vergebung war kein absichtlicher, bewusster Akt von mir Ich merkte einfach nur, dass ich das Verhalten von ihm nicht wirklich in Beziehung zu ihm setzte, als wäre es etwas Losgelöstes und er weiter unschuldig.

Zitat:(So verstehe ich es jedenfalls -- um deinen Leitsatz zu gebrauchen... Big Grin )

Tja...... Smile
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten
#4
(03.05.2017, 15:13)Thomas schrieb: Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen. Vor ein paar Tagen schrieb ich mit einem Freund über whatsapp hin und her. Wir alberten etwas herum, doch plötzlich reagierte er auf eine Bemerkung von mir sarkastisch und angreifend. Ich fühlte mich verletzt, antwortete ganz knapp und distanziert und schaltete das Handy für einen Tag ab. Ich war gekränkt, doch konnte ich sehen, dass wir beide an alte Wunden gerührt hatten. Am Tag darauf bereinigten wir alles und mir wurde klar, dass ich eigentlich überhaupt nicht auf ihn böse war. Ich war böse auf die Bemerkung als solche, auf seine und meine Gekränktheit, ich sah einfach das Ego bei der Arbeit. Sein Ego und mein Ego - eigentlich gar kein Unterschied. Es fiel mir ganz leicht, ihm zu vergeben, weil ich sah, dass das gar nicht wirklich er war. Und ebenso war es nicht wirklich ich, der so gekränkt und eingeschnappt reagiert hatte. Nur das Ego eben.....

Nur das Ego eben ....

Stimmt.   Smile

Wie genau Vergebung funktioniert, weiß ich nicht.  Ich merke dann nur, dass die negativen, feindseligen Gefühle weg sind, und ich wieder einen klaren Kopf habe und mit Vernunft reagieren kann.  Ich nutze dabei jede Methode, die bei mir funktioniert.

Meine "Geheimwaffe" im Umgang mit (wirklichen oder von mir eingebildeten) Beleidigungen seitens meiner Mitmenschen ist z. B. ein Zitat des Stoikers Epiktet, das ich mir schon vor sehr langer Zeit mal notiert habe.  Dieses Zitat hat eine geradezu sensationelle Wirkung auf meinen Geist.  Warum das so ist, weiß ich nicht. Dieses Zitat lautet:

"Ein Mensch mit klarem Geist rächt sich nicht für Beleidigungen, denn sie bedeuten ihm nichts."

Ich besitze eine ganzes Oktavheft voller Zitate von den berühmten Stoikern.  Schon seit meiner Kindheit liebe ich Marc Aurel, den römischen Kaiser und Philosophen.  Natürlich habe ich als Kind nicht wirklich kapiert, was er geschrieben hat, aber ich habe gefühlt, das er Recht hat.
Smile
Antworten
#5
Jedes Wort, jeder Satz können für uns hilfreich sein. Bei mir blieb vor kurzem etwas von Osho hängen. Ich lese ihn im Moment wahnsinnig gerne. Obwohl das nicht voll kurskonform ist - manchmal schon - und ich ihm innerlich manchmal widerspreche, so berühren mich seine Worte ganz tief. Und er sagte: "Keiner kämpft gegen dich, jeder kämpft nur gegen sich selbst".

Das muss ich gar nicht analysieren, ob das wirklich so ist, aber mir hilft es sehr zu sehen, dass mich keiner angreift, auch die nervigsten Kollegen nicht. Sie kämpfen nur gegen sich selbst. Mit dem Kurs weitergedacht heißt das, sie rufen nach Liebe.

Wie Vergebung funktioniert, weiß ich auch nicht. In dem oben beschriebenen Fall war mir das gar nicht gleich bewusst, dass ich nicht gegen ihn Groll hegte. Und es war definitiv nicht absichtlich von mir.
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten
#6
"Keiner kämpft gegen dich, jeder kämpft nur gegen sich selbst."

Wow, ja, der Satz spricht mich auch an und bewirkt etwas in mir. Ich werde ihn auch in mein Oktavheft schreiben.
Und kurskonform ist diese Aussage ja auch.
Smile
Antworten
#7
(03.05.2017, 15:13)Thomas schrieb: Ich möchte euch eine kleine Geschichte erzählen. Vor ein paar Tagen schrieb ich mit einem Freund über whatsapp hin und her. Wir alberten etwas herum, doch plötzlich reagierte er auf eine Bemerkung von mir sarkastisch und angreifend. Ich fühlte mich verletzt, antwortete ganz knapp und distanziert und schaltete das Handy für einen Tag ab. Ich war gekränkt, doch konnte ich sehen, dass wir beide an alte Wunden gerührt hatten. Am Tag darauf bereinigten wir alles und mir wurde klar, dass ich eigentlich überhaupt nicht auf ihn böse war. Ich war böse auf die Bemerkung als solche, auf seine und meine Gekränktheit, ich sah einfach das Ego bei der Arbeit. Sein Ego und mein Ego - eigentlich gar kein Unterschied. Es fiel mir ganz leicht, ihm zu vergeben, weil ich sah, dass das gar nicht wirklich er war. Und ebenso war es nicht wirklich ich, der so gekränkt und eingeschnappt reagiert hatte. Nur das Ego eben.....

Die tiefe (und vielleicht tiefste!) Botschaft des Kurses ist gerade die, dass es NICHTS zu vergeben gibt - das was wir in der "Realität" wahrnehmen und für "einer Vergebung nötig" halten, ist lt. Jesus NICHT DA, nicht real ...
"Real" ist nur die liebende und in der Liebe ruhende Seele eines Jeden.

Ein Mensch, der aus dem Ego heraus handelt, ist lediglich unbewusst - er hat den Kontakt zu sich selbst (seiner Seele) verloren.
Als bewusster Mensch bin ich mir dessen bewusst.

"Vergebung" ist lediglich eine Brücke für unser menschlich geprägtes Denken.
Wie Jesus es am Kreuz formulierte: Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun ...

Je mehr wir verinnerlichen, dass es NICHTS zu vergeben giilt, desto mehr treten wir heraus aus dem Kreislauf der Ego-Spiele, denn: Energie folgt der Aufmerksamkeit!

Herzlich, ein weiblicher Gast

LOGISTIC
Antworten
#8
Ja, das stimmt, danke! :-)
So verstehe ich es jedenfalls.....
Antworten




Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste