Wie "funktioniert" der Kurs?
#21
Ich danke Euch allen für Eure Antworten auf meine Beiträge. Sie haben mich berührt und bestärkt, mal wieder darüber zu schreiben, was mich bewegt. Ich denke auch, dass das, was wir hier äußern, oft nur auf dem Hintergrund unserer Erfahrungen und Lebensgeschichten so richtig verständlich wird und es im Austausch viel weniger um abstraktes richtig und falsch geht als um Verständnis für einander und die Sicht des/der anderen zu gewinnen. Dann ist es auch leichter, Denk- und Verständnisfehler bezüglich des Kurses auszuräumen.

Vielleicht mag es etwas verwundern, dass ich mich im öffentlichen Bereich des Forums als psychisch krank bzw. auch psychoseerfahren oute. Ich würde es vermutlich nicht tun (und eher im privaten Bereich schreiben), wenn es nicht als Genesungsbegleiter mein Beruf wäre, als Betroffener andere Betroffene auf ihrem Genesungsweg zu beraten und zu begleiten, Antistigma-Arbeit zu leisten etc. und von daher sowieso mit meiner Geschichte in der Öffentlichkeit zu stehen.

Herz  Stephan
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#22
(04.10.2017, 21:04)Stephan schrieb: Ich danke Euch allen für Eure Antworten auf meine Beiträge. Sie haben mich berührt und bestärkt, mal wieder darüber zu schreiben, was mich bewegt. Ich denke auch, dass das, was wir hier äußern, oft nur auf dem Hintergrund unserer Erfahrungen und Lebensgeschichten so richtig verständlich wird und es im Austausch viel weniger um abstraktes richtig und falsch geht als um Verständnis für einander und die Sicht des/der anderen zu gewinnen. Dann ist es auch leichter, Denk- und Verständnisfehler bezüglich des Kurses auszuräumen.

Vielleicht mag es etwas verwundern, dass ich mich im öffentlichen Bereich des Forums als psychisch krank bzw. auch psychoseerfahren oute. Ich würde es vermutlich nicht tun (und eher im privaten Bereich schreiben), wenn es nicht als Genesungsbegleiter mein Beruf wäre, als Betroffener andere Betroffene auf ihrem Genesungsweg zu beraten und zu begleiten, Antistigma-Arbeit zu leisten etc. und von daher sowieso mit meiner Geschichte in der Öffentlichkeit zu stehen.

Herz  Stephan

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"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
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#23
(04.10.2017, 10:03)Stephan schrieb: Ich bin noch nicht an dem Punkt, wo das von Dir benannte "Problem" auftaucht. Ich brauche die "gewissenhafte" Praxis noch, weil ich sonst im Alltag an dieser Welt und mir verzweifeln würde.

Du scheinst da eine Art Gegensatz zu sehen, den ich nicht verstehe. Vielleicht besser gesagt, da scheint mir eine Folgerung zu sein, ein Schluss, den du ziehst: Wenn du feststellst, dass sich trotz wie auch immer gearteter Praxis das gewünschte Ergebnis nicht oder nicht nachhaltig einstellt, dann ist das folglich entweder das Ende der Praxis oder die höchst erschreckende Erkenntnis, nichts tun zu können.

Die Folgerung halte ich in beiden Fällen für falsch - ungeachtet der Tatsache, dass der Kurs genau aus diesem Grund vielfach resigniert in die Ecke geworfen und die Praxis eingestellt wird. Das verkennt allerdings die blumige Tatsache, dass man "den Kopf nicht wieder aus dem Rachen des Tigers heraus bekommt, wenn man ihn einmal hinein gesteckt hat."

Die Praxis bekommt nur eine völlig andere Bedeutung. Wenn der Kurs beispielsweise an einer zentraler Stelle, in den Entscheidungsregeln, konstatiert, dass du keine Entscheidung alleine treffen kannst (1.Regel), dann versuchst du es eben gar nicht mehr.

(04.10.2017, 19:51)Stephan schrieb: Nichts tun zu können, ist das Grauenvollste, was mir bisher je widerfahren ist

Natürlich. Das ist ja auch der Grund, warum du gegen den Gedanken Sturm läufst, die Kontrolle abzugeben, nichts tun zu können. Oder dass das Wörtchen "ich" so häufig vorkommt. Du HAST die Kontrolle: indem du sie abgibst. Genau das ist das Paradoxe, hervorgerufen durch das Bild einerseits und dem SELBST andererseits.

Tja, erst läufst du Sturm, und dann propagierst du, wogegen du Sturm läufst:

(04.10.2017, 19:51)Stephan schrieb: Und auch das habe ich auf diesem Weg immer wieder erfahren: vollkommene Geistesstille und Klarheit und befreites Lachen: "Es gibt nichts zu tun. Nichts ist je geschehen." Worte können es nicht fassen.

Das, was ich als das "Problem" bezeichnet habe, ist dir sehr wohl bekannt. Ich glaube nicht an die Aussage "ich bin noch nicht an dem Punkt".

Herz Gregor
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#24
Vielen Dank, Gregor, für Deine ausführliche Antwort.
Bevor ich irgendwelche Argumente dagegen anführe, die sich im Moment doch nur nach Recht haben wollen anfühlen, lasse ich sie einfach noch eine Weile in Ruhe auf mich wirken.
Ich gestehe, dass ich mich in einer Blockade befinde, sobald ich selbst nach einer wie auch immer gearteten Lösung suche, und im Augenblick mit meinem bisschen Weisheit am Ende bin. Das fühlt sich aber nicht schlecht an. Der Sturm ist abgeklungen. Es ist nun sehr sanft und ruhig in mir.

Herz  Stephan
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#25
(05.10.2017, 15:40)Stephan schrieb: Vielen Dank, Gregor, für Deine ausführliche Antwort.
Bevor ich irgendwelche Argumente dagegen anführe, die sich im Moment doch nur nach Recht haben wollen anfühlen, lasse ich sie einfach noch eine Weile in Ruhe auf mich wirken.
Ich gestehe, dass ich mich in einer Blockade befinde, sobald ich selbst nach einer wie auch immer gearteten Lösung suche, und im Augenblick mit meinem bisschen Weisheit am Ende bin. Das fühlt sich aber nicht schlecht an. Der Sturm ist abgeklungen. Es ist nun sehr sanft und ruhig in mir.

Herz  Stephan

Coole Rückmeldung Cool 

Danke dir, Stephan

Herz  toni
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#26
(03.10.2017, 23:35)Gregor schrieb: Im Laufe der Zeit kommt es offenbar zu einem typischen "Problem", das wohl alle spirituellen Richtungen haben - zumindest die "nondualen": Egal, wie "gewissenhaft" oder "rigoros" die wie auch immer geartete Praxis verfolgt wird, das gewünschte Ergebnis stellt sich nicht oder nicht nachhaltig ein.

Ist das so? Ich glaube, das wir es hier mit einem zeitlichen Problem zu tun haben. Das gewünschte Ergebnis wird sich schon nachhaltig einstellen, nur scheint es in der Zeit eben doch länger zu dauern als wir dachten. Und das obwohl der Kurs soviel Zeit einspart. Wapnick sagt in einem seiner Vorträge, im Kurs selbst steht ja, es sei nur am Anfang schwer. Unser Problem damit sei, daß dieser Anfang sehr, sehr lange dauern kann. Wenn du mit anderen Wegen vergleichst, östlichen Wegen, dann dauert der "Anfang" möglicherweise einige Menschenleben lang. Ich glaube wir sind zu ungeduldig, wenn wir denken das Ergebnis würde sich nicht einstellen. Eine - für mich eine der merkwürdigsten - Kursaussagen lautet, nur unendliche Geduld würde sofortige Ergebnisse bringen.
Oder wie man es in westlichen Filmen sagt, "am Ende wird immer alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende"
Herz 
Susanne
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#27
Ja, das ist wohl so.
Ich bin aber kaum in der Lage über dieses kleine ich hinwegzusehen. Ich gehe auf die 60 zu und sehne mich nach einem netten Ausklang. Ich erinnere mich wieviel Angst mir das Leben von Helen  Schucman macht wie Kenneth Wapnick es beschreibt. Dann frage ich mich, ob der Kurs mir auch den Himmel nach dem Tod anbietet. Aber den Zahn zieht Jesus ja wortwörtlich.
Alle Weisheitssprüche hinterlassen in mir mittlerweile ein schales Gefühl. Zumal durch die neuen Medien eine unendliche Flut davon zu finden ist. 
Auf der anderen Seite, was soll‘s, helfen tut mir mein Widerstand ja auch nicht. 
Bislang waren meine Erfahrungen mit Kontrollverlust tatsächlich eher traumatisch, zumindest wenn eine gewisse Euphorie abklang. In der Regel fühlte ich mich nachher eher noch ärmer.

Aber, Jammern hilft nicht.

Herz
Susanne
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Augustinus
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#28
(06.10.2017, 06:29)Siboa schrieb: Ja, das ist wohl so.
Ich bin aber kaum in der Lage über dieses kleine ich hinwegzusehen. Ich gehe auf die 60 zu und sehne mich nach einem netten Ausklang. Ich erinnere mich wieviel Angst mir das Leben von Helen  Schucman macht wie Kenneth Wapnick es beschreibt. Dann frage ich mich, ob der Kurs mir auch den Himmel nach dem Tod anbietet. Aber den Zahn zieht Jesus ja wortwörtlich.
Alle Weisheitssprüche hinterlassen in mir mittlerweile ein schales Gefühl. Zumal durch die neuen Medien eine unendliche Flut davon zu finden ist. 
Auf der anderen Seite, was soll‘s, helfen tut mir mein Widerstand ja auch nicht. 
Bislang waren meine Erfahrungen mit Kontrollverlust tatsächlich eher traumatisch, zumindest wenn eine gewisse Euphorie abklang. In der Regel fühlte ich mich nachher eher noch ärmer.

Aber, Jammern hilft nicht.

Herz
Susanne

Hallo Susanne

Ich finde das Thema Kontrollverlust im Zusammenhang mit dem Kurs sehr interresant. Kannst du erklären, wie du den Verlust von Kontrolle mit dem Kurs in Zusamenhang bringst ? Es gibt bestimmt einen Zusammenhang.
Zuerst habe ich gedacht, dass erst der Kurs uns Kontrolle ermöglicht.
Dann hab ich verstanden worin der Kontrollverlust durch den Kurs bestehen könnte, nämlich durch den Verlust von Sorge um....
Ich sorge mich dann nicht mehr um den Körper, jogge also nicht mehr, nehme keine Medikamente mehr, esse, was mir gerade schmeckt und soviel ich will. Ich verliere also so die Kontrolle über meine Gesundheit, wenn ich meine Sorgen aufgebe. Oder ich verliere meine Sorge um Geldangelegenheiten. Ich gehe dann zu Arbeit, wann ich Lust habe, ich schimpfe mit meinem Chef, wenn der Mist gebaut hat, ich fahre in Urlaub wenn ich finde, dass ich mir den verdient habe und ich verzichte darauf, Schulden einzutreiben, die andere bei mir haben. Ermutigt uns der Kurs dazu auf diese Weise sorglos zu leben? Ich finde ja.

Lieber Gruß von Zeitweise
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#29
(03.10.2017, 23:35)Gregor schrieb: Im Kurs lautet das Vokabular: "Sei still, vergiss deine Bilder und Vorstellungen von GOTT und der Welt, und komme mit völlig leeren Händen. Triff keine Entscheidung selbst - weil du es nicht kannst. Mische dich nicht ein. Mache dir keine Gedanken über deine Bereitschaft, gib diese MIR. Höre nur auf SEINE Stimme, sieh durch SEINE Augen, denke SEINE Gedanken. ..." Das lässt sich endlos weiterführen. Das Ego bekommt "seinen Platz" durch Hinwendung an IHN, das "Nicht-Ego".

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Natürlich. Das ist ja auch der Grund, warum du gegen den Gedanken Sturm läufst, die Kontrolle abzugeben, nichts tun zu können. Oder dass das Wörtchen "ich" so häufig vorkommt. Du HAST die Kontrolle: indem du sie abgibst. Genau das ist das Paradoxe, hervorgerufen durch das Bild einerseits und dem SELBST andererseits.

Ich bin zwar nicht Siboa, aber ich denke es geht darum, was Gregor geschrieben hatte, das Abgeben der Kontrolle, das Nichts-tun-Können. Also eher um die freiwillige Aufgabe der Kontrolle als um Kontrollverlust. Eher um Hingabe als um Kontrollverlust.
Herz 
Susanne
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#30
(06.10.2017, 14:07)Susanne schrieb:
(03.10.2017, 23:35)Gregor schrieb: Im Kurs lautet das Vokabular: "Sei still, vergiss deine Bilder und Vorstellungen von GOTT und der Welt, und komme mit völlig leeren Händen. Triff keine Entscheidung selbst - weil du es nicht kannst. Mische dich nicht ein. Mache dir keine Gedanken über deine Bereitschaft, gib diese MIR. Höre nur auf SEINE Stimme, sieh durch SEINE Augen, denke SEINE Gedanken. ..." Das lässt sich endlos weiterführen. Das Ego bekommt "seinen Platz" durch Hinwendung an IHN, das "Nicht-Ego".

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Natürlich. Das ist ja auch der Grund, warum du gegen den Gedanken Sturm läufst, die Kontrolle abzugeben, nichts tun zu können. Oder dass das Wörtchen "ich" so häufig vorkommt. Du HAST die Kontrolle: indem du sie abgibst. Genau das ist das Paradoxe, hervorgerufen durch das Bild einerseits und dem SELBST andererseits.

Ich bin zwar nicht Siboa, aber ich denke es geht darum, was Gregor geschrieben hatte, das Abgeben der Kontrolle, das Nichts-tun-Können. Also eher um die freiwillige Aufgabe der Kontrolle als um Kontrollverlust. Eher um Hingabe als um Kontrollverlust.

Ich frag mal anders:

Kontrolle über was ?
Welche Kontrolle, die du tatsächlich hattest, gibst du ab ?
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