Urteil - Verletzung - Vergebung
#41
(18.05.2018, 22:31)Gregor schrieb: Es gibt da den wunderbaren Abschnitt "Selbstkonzept und SELBST" in Kapitel T-31.V. Hier wird beschrieben, was du "Ich" nennst. Und es beschreibt deutlicher, als ich es je könnte, was ich meine. Hier taucht auch der decision maker auf - ohne, dass das Wort auch nur einmal erwähnt wird.  Big Grin

Dieses beschriebene Selbstkonzept ist deine Identifikation, das, wofür du dich hältst. Darauf beziehst du dich, wenn jemand (auch der Kurs) "du" sagt.

Ja, der Abschnitt ist mir klar. Wenn mich jemand mit "du" anspricht, fühle ich mich als Person, als meine Identifikation, angesprochen. Auch beim Kurs war das anfangs so. Da jedoch - wie Wapnick sagt - der Kurs nicht mich als illusionäre Person anspricht, sondern als den "Entscheider", versuche ich mich permanent beim Lesen daran zu erinnern und ihn vor diesem Hintergrund zu lesen. Und ehrlich gesagt machen nur so die Worte des Kurses für mich Sinn.

Zitat:Es ist derjenige, der handelt, der einzige, der etwas tut, derjenige, von dem du glaubst, "er"/ich träfe eine Wahl - oder wäre überhaupt in der Lage, eine Wahl zu treffen. Völlig absurd wird es, wenn dieses Selbstkonzept versucht, sich über das Schlachtfeld zu bewegen, die Sichtweise des decision makers einzunehmen. Völlig absurd.

Ja, richtig. Aber es ist doppelt absurd, denn dieses Selbstkonzept ist reine Illusion und KANN sich daher gar nicht über das Schlachtfeld erheben oder glauben, es tun zu können. Was immer da zu geschehen scheint, ist doch immer nur der gespaltene Geist bzw. der Entscheider, der eine bestimmte Variante in seinem Ego-Traum anschauen will.

Zitat:Durch diese zwangsläufige Identifikation mit dem Selbstkonzept wird das SELBST zu einem Fremden - ER wird zu einem anderen als du, ER ist tatsächlich "außerhalb" von dir - was jedoch völlig unmöglich ist. Nun mag das Selbstkonzept versuchen, IHN zu vereinnahmen, um das Selbstkonzept loszuwerden. Das "Ich" kämpft gegen sich selbst. Dieser Münchhausentrick funktioniert niemals. Ich werde niemals die EINE WAHL treffen können.

Dieses Selbstkonzept kann natürlich niemals die Wahl treffen, das stimmt. Aber eben deshalb kann es auch gar nicht versuchen, IHN zu vereinnahmen.

Ich erinnere mich an eine Aussage von Nisargadatta Maharaj, als er einem Besucher empfahl, die Bhagavad-Gita nicht aus der Sicht von Arjuna zu lesen, sondern aus der Sicht von Krishna. Nur dann sei sie wirklich zu verstehen, auch wenn man sich immer noch für Arjuna halte. Ich würde es so ausdrücken: ich versuche aus der Sicht des Meeres zu denken und wahrzunehmen, nicht aus der Sicht der Welle. Ganz einfach, weil es keine separaten Wellen gibt, sondern nur das Meer. Dass ich mich dabei die meiste Zeit für eine Welle halte, muss ich mir ehrlich eingestehen. Einfach zu sagen, ich bin das Meer, sagt noch gar nichts und ist höchstwahrscheinlich Selbsttäuschung. Aber es ist nunmal - um im Bild zu bleiben - das Meer, das sich für eine Welle hält. Es ist nicht die Welle, die sich für eine Welle hält. Deshalb muss ich quasi die Perspektive wechseln, genauer gesagt: erkennen, dass es gar keine Wellen-Perspektive, sondern nur eine Meer-Perspektive gibt. Was soll sich je ändern, wenn ich weiter an der Wellen-Perspektive festhalte?
So verstehe ich es jedenfalls.....
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#42
(20.05.2018, 10:27)Thomas schrieb: Da jedoch - wie Wapnick sagt - der Kurs nicht mich als illusionäre Person anspricht, sondern als den "Entscheider", versuche ich mich permanent beim Lesen daran zu erinnern und ihn vor diesem Hintergrund zu lesen. Und ehrlich gesagt machen nur so die Worte des Kurses für mich Sinn.  

Da bin ich voll und ganz bei dir. Der Kurs richtet sich an denjenigen, der lernfähig ist - um ihn zu lernen. Diesen "Lerner" verortet der Kurs im (gespaltenen) Geist, der die Welt buchstäblich und im tatsächlichen Sinne des Wortes erlernt und übererlernt hat. Die Selbstkonzepte sind zentrale Lerninhalte dieses Lernvorgangs.

Konzepte lernen jedoch nicht, sie sind das Ergebnis von Lernschritten. Daher ist es einerseits sinnfrei, sich - als Identifikation mit dem Selbstkonzept, als "Ich" - angesprochen zu fühlen. Was aber zwangsläufig der Fall ist, wenn man mit dem Kurs beginnt. Denn andererseits findet der Kurs - selbsterklärterweise - in Phasen statt. Und mit den Phasen verändern sich notwendigerweise die Lernschritte. Sie müssen mit dem Ich beginnen, aber dann wird es doch irgendwann absurd, an diesem Ich als Handelnden, Lernenden und Entscheider mit den entsprechenden Konsequenzen und (Handlungs-)Anforderungen festzuhalten - trotz massiver Hinweise am Ende des Textbuches, spätestens im zweiten Teil des Übungsbuches und natürlich im Handbuch. Sonst machen die Worte des Kurses tatsächlich keinen Sinn mehr.

(20.05.2018, 10:27)Thomas schrieb: Dieses Selbstkonzept kann natürlich niemals die Wahl treffen, das stimmt. Aber eben deshalb kann es auch gar nicht versuchen, IHN zu vereinnahmen.

Der (gespaltene) Geist versucht ständig, IHN innerhalb des Selbstkonzepts zu vereinnahmen und dort die Wahl zu treffen. Wie oft habe ich die "Forderung" zu wählen alleine in diesem Forum gelesen (vermutlich auch von mir  Updown)? Dadurch wird die Wahl vermieden bzw. zwangsläufig auf die Pillepalle-Wahlmöglichkeiten der Welt beschränkt.

(20.05.2018, 10:27)Thomas schrieb: Ich würde es so ausdrücken: ich versuche aus der Sicht des Meeres zu denken und wahrzunehmen, nicht aus der Sicht der Welle. Ganz einfach, weil es keine separaten Wellen gibt, sondern nur das Meer. Dass ich mich dabei die meiste Zeit für eine Welle halte, muss ich mir ehrlich eingestehen.

Dieses Eingeständnis hat wahrscheinlich erst einmal ein negatives Geschmäckle. Ist da irgendetwas falsch gelaufen? Habe ich etwas nicht richtig gemacht? Ist der Kurs möglicherweise völliger Quatsch, bin ich einer geistesgestörten Betrügerin aufgesessen? Und das angesichts der Mühe, die in die "Umsetzung" des Kurses geflossen sind. Wenn man z.B. Katjas Buch liest, bekommt man gerade im zweiten Teil des Buches eine Vorstellung von der Energie, die in die Kursarbeit gesteckt wird ...

Es scheint ein nicht ganz einfacher Lernschritt zu sein, dass "ich" die Identifikation mit dem "Ich" nicht einfach oder mit Anstrengung ablegen kann. Das (gespaltene) Meer, das sich für eine Welle hält, bedauert, sich für eine Welle zu halten -  
sie könnte auch schlicht die Tatsache akzeptieren und auf der Basis "weiter zu machen". Nur Wellen machen, was anderes können sie gar nicht.

(20.05.2018, 10:27)Thomas schrieb: Einfach zu sagen, ich bin das Meer, sagt noch gar nichts und ist höchstwahrscheinlich Selbsttäuschung. Aber es ist nunmal - um im Bild zu bleiben - das Meer, das sich für eine Welle hält. Es ist nicht die Welle, die sich für eine Welle hält. Deshalb muss ich quasi die Perspektive wechseln, genauer gesagt: erkennen, dass es gar keine Wellen-Perspektive, sondern nur eine Meer-Perspektive gibt. Was soll sich je ändern, wenn ich weiter an der Wellen-Perspektive festhalte?

Wenn du an der Wellenperspektive festhältst - dann hältst du an der Wellenperspektive fest (schon wieder ein "wenn"?  Big Grin ). Oder wenn du sagst:Reiner Geist bin ich, ein heiliger SOHN GOTTES, frei von allen Grenzen, sicher und geheilt und ganz, frei, zu vergeben, und frei, die Welt zu erlösen.(Lektion 97 im Sinne deines Bildes: "Ich bin das Meer."), dann ist das wohl ursprünglich eine Art Mantra, mit dem du versuchst, dich "umzustimmen". Letztlich ist es eine Bitte, ein "Lass es mich so sehen", eine Form des einen Gebets, solange noch Worte im Gebet als notwendig erachtet werden.

Btw: Das gespaltene Meer in dem Bild ergibt sich aus der Tatsache, dass das Meer eine Oberfläche hat, an der es sich teilt in "Meer" und "Nicht-Meer" (oder nix mehr?  Tongue ). Ohne diese Oberfläche gibt es keine Wellen.

Herz Gregor
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#43
(18.05.2018, 22:31)Gregor schrieb:
(17.05.2018, 21:17)Inge schrieb: Nach diversen Tagen, während die Dunkelheit sich wie ein Gefängnis um mich geschlossen hielt, schlich sich auch diese "Entscheidung" ein: nein, ich will doch glücklich und im Frieden sein und will diese tonnenschwere Schwärze nicht mehr. Nichts geschah, null. Da wurde ich ärgerlich (schon wieder!) und verfluchte diesen nicht-funktionierenden Kurs....

Dann plötzlich heute morgen beim Hundespaziergang überkam mich diese unbeschreibbare Glückseligkeit, so ganz aus dem Blauen herunter, ohne jeglichen Grund, ohne mein jegliches Dazutun. Die Dunkelheit war wie weggeblasen. In solchen Augenblicken überkommt mich das starke Bedürfnis, mich mitten auf der Strasse auf die Knie fallen zu lassen -- die Dankbarkeit ist so grenzenlos. Die Autos würden dann schon halt machen wollen......  Big Grin

Geht's nicht darum?

Und jetzt isses wieder weg.... Je mehr man sich daran festhalten will, desto schneller verschwindet die Sache.
Es kommt und geht -- oder so will es scheinen.... Ich frage mich da immer wieder: wieso ist dies alles so flüchtig, so ungreifbar?

Gerade lese ich einen Roman, dessen massiv opulente Sprache ich schon als arrogant empfinde - aber das mag daran liegen, dass ich den Autor irgendwie nicht leiden kann Smile - und auch in solchen Werken finden sich Perlen (ganz geringfügig geändert, nämlich den Namen des Romanhelden gestrichen):

"Ein Raum tut sich auf. Bloße Präsenz, strahlend und rein, die sich gleich wieder verschleiert. Kurz hast du die Gnade der Vergebung gespürt, doch das nicht Fassbare festhalten zu wollen, lässt es unter den Fingern zerrinnen."

Daran musste ich spontan denken, als ich deine Zeilen gelesen habe.

(18.05.2018, 05:25)Thomas schrieb: Es ist merkwürdig, aber irgendetwas scheine ich an dieser Aussage immer noch misszuverstehen. Es klingt, als müsste sich der Heilige Geist für den Heiligen Geist (und gegen das Ego) entscheiden? Bin es nicht ich selbst, der sich entscheidet - für das Denksystem des HG oder des Egos? Ich als Entscheider, nicht als Person. ER, aber nicht ich - das klingt für mich immer, als wäre ER ein anderer als ich, als wäre er außerhalb von mir. Wo ist der Haken?

Im Grunde genommen gibst du dir die Antwort selbst:

(18.05.2018, 11:28)Thomas schrieb: Das Wählen des rechtgesinnten Gedankens kann ich nicht wirklich "bewusst" nennen, es geschieht eher aus sich selbst heraus bzw. aus mir selbst heraus. Es ist aus mir, von mir, aber doch kann ich es nicht willentlich wählen. Wenn es aber geschieht, dann ist da keine Diskrepanz zu seinem Erleben und Wahrnehmen.

Es gibt da den wunderbaren Abschnitt "Selbstkonzept und SELBST" in Kapitel T-31.V. Hier wird beschrieben, was du "Ich" nennst. Und es beschreibt deutlicher, als ich es je könnte, was ich meine. Hier taucht auch der decision maker auf - ohne, dass das Wort auch nur einmal erwähnt wird.  Big Grin

Dieses beschriebene Selbstkonzept ist deine Identifikation, das, wofür du dich hältst. Darauf beziehst du dich, wenn jemand (auch der Kurs) "du" sagt. Es ist derjenige, der handelt, der einzige, der etwas tut, derjenige, von dem du glaubst, "er"/ich träfe eine Wahl - oder wäre überhaupt in der Lage, eine Wahl zu treffen. Völlig absurd wird es, wenn dieses Selbstkonzept versucht, sich über das Schlachtfeld zu bewegen, die Sichtweise des decision makers einzunehmen. Völlig absurd.

Durch diese zwangsläufige Identifikation mit dem Selbstkonzept wird das SELBST zu einem Fremden - ER wird zu einem anderen als du, ER ist tatsächlich "außerhalb" von dir - was jedoch völlig unmöglich ist. Nun mag das Selbstkonzept versuchen, IHN zu vereinnahmen, um das Selbstkonzept loszuwerden. Das "Ich" kämpft gegen sich selbst. Dieser Münchhausentrick funktioniert niemals. Ich werde niemals die EINE WAHL treffen können.

(18.05.2018, 10:49)Zeitweise schrieb: Mein Job ist es, die Quelle auszuwählen, der meine Wahrnehmung entspringt.

Dieses Missverständnis betrachte ich fast schon als tragisch. Da kommt die viel gelesene "Verzweiflung" her, die sich ausdrückt in: "Warum mache ich den Kurs nicht intensiver? Warum funktioniert dieser Kurs nicht? Was ist an meiner Praxis falsch? Wieso tue ich trotz besseren Wissens das 'Falsche'? Warum ...?"

Eine unnötige Quelle der Angst, Schuld, Minderwertigkeit, Opferidentifikation, Versagensängste.
 

Was ist eine nötige Quelle der Angst ?

Lieber Gruß von Zeitweise
Antworten
#44
(21.05.2018, 11:01)Gast schrieb: Was ist eine nötige Quelle der Angst ?

Lieber Gruß von Zeitweise

Da sehe ich spontan zwei Möglichkeiten:

1. Du hältst es für nötig, vergebliche Einmischungsversuche zu unternehmen über Dinge, die nicht deine Funktion sind. Das ist also eine für dich nötige Quelle der Angst.

2. Du verwendest unnötige Wortspiele und sagst uns bestimmt, warum sie für dich nötig sind.

Herz Gregor
Antworten
#45
(20.05.2018, 10:27)Thomas schrieb: Ich erinnere mich an eine Aussage von Nisargadatta Maharaj, als er einem Besucher empfahl, die Bhagavad-Gita nicht aus der Sicht von Arjuna zu lesen, sondern aus der Sicht von Krishna. Nur dann sei sie wirklich zu verstehen, auch wenn man sich immer noch für Arjuna halte. Ich würde es so ausdrücken: ich versuche aus der Sicht des Meeres zu denken und wahrzunehmen, nicht aus der Sicht der Welle. Ganz einfach, weil es keine separaten Wellen gibt, sondern nur das Meer. Dass ich mich dabei die meiste Zeit für eine Welle halte, muss ich mir ehrlich eingestehen. Einfach zu sagen, ich bin das Meer, sagt noch gar nichts und ist höchstwahrscheinlich Selbsttäuschung. Aber es ist nunmal - um im Bild zu bleiben - das Meer, das sich für eine Welle hält. Es ist nicht die Welle, die sich für eine Welle hält. Deshalb muss ich quasi die Perspektive wechseln, genauer gesagt: erkennen, dass es gar keine Wellen-Perspektive, sondern nur eine Meer-Perspektive gibt. Was soll sich je ändern, wenn ich weiter an der Wellen-Perspektive festhalte?

Danke für dieses Bild Thomas, das ist schön und einprägsam finde ich.

Vor einiger Zeit hab ich viel Metta-Meditation praktiziert und dabei beginnt ja mit den Sätzen für sich selbst "möge ich Frieden erlangen" usw. Ich hatte dann einmal gelesen, ich könne mir auch vorstellen, ich würde mich auf mich als Person sehen und die Sätze lauten dann "möge Susanne Frieden erlangen" usw. - also die Identifikation mit der Person loslassen, auch ein Perspektive-Wechsel. Und auch beim Kurslesen versuche ich immer dran zu denken, daß nicht die Person Susanne da angesprochen ist, sondern der reine Geist - wie von Gott erschaffen.
Herz 
Susanne
Antworten
#46
(17.05.2018, 21:17)Inge schrieb: Also, dieser letzte Satz hat's in sich:
Nach diversen Tagen, während die Dunkelheit sich wie ein Gefängnis um mich geschlossen hielt, schlich sich auch diese "Entscheidung" ein: nein, ich will doch glücklich und im Frieden sein und will diese tonnenschwere Schwärze nicht mehr. Nichts geschah, null. Da wurde ich ärgerlich (schon wieder!  Feuer ) und verfluchte diesen nicht-funktionierenden Kurs....

Dann plötzlich heute morgen beim Hundespaziergang überkam mich diese unbeschreibbare Glückseligkeit, so ganz aus dem Blauen herunter, ohne jeglichen Grund, ohne mein jegliches Dazutun. Die Dunkelheit war wie weggeblasen. In solchen Augenblicken überkommt mich das starke Bedürfnis, mich mitten auf der Strasse auf die Knie fallen zu lassen -- die Dankbarkeit ist so grenzenlos. Die Autos würden dann schon halt machen wollen......  Big Grin

Geht's nicht darum?

Und jetzt isses wieder weg.... Je mehr man sich daran festhalten will, desto schneller verschwindet die Sache.
Es kommt und geht -- oder so will es scheinen.... Ich frage mich da immer wieder: wieso ist dies alles so flüchtig, so ungreifbar?

Und so sprach die Oma aus dem Wilden Westen.....   Cool

Ich erlebe einen Wechsel. Vor ein paar Monaten hatte mich Gregors Beitrag zu Johannes Kurskonferenzvideo sehr angesprochen und, nein, es ist nicht die Erlösung, aber ein Stückchen ist Lösung zu spüren, ganz leicht, fast unmerklich. Mit und ohne Veränderung der Situation. 

 Herz
Susanne
„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, o Herr.“ Augustinus
Antworten
#47
So, ich komme leider erst jetzt dazu zu antworten 

(20.05.2018, 17:05)Gregor schrieb: Der Kurs richtet sich an denjenigen, der lernfähig ist - um ihn zu lernen. Diesen "Lerner" verortet der Kurs im (gespaltenen) Geist, der die Welt buchstäblich und im tatsächlichen Sinne des Wortes erlernt und übererlernt hat. Die Selbstkonzepte sind zentrale Lerninhalte dieses Lernvorgangs.

Konzepte lernen jedoch nicht, sie sind das Ergebnis von Lernschritten. Daher ist es einerseits sinnfrei, sich - als Identifikation mit dem Selbstkonzept, als "Ich" - angesprochen zu fühlen. Was aber zwangsläufig der Fall ist, wenn man mit dem Kurs beginnt. Denn andererseits findet der Kurs - selbsterklärterweise - in Phasen statt. Und mit den Phasen verändern sich notwendigerweise die Lernschritte. Sie müssen mit dem Ich beginnen, aber dann wird es doch irgendwann absurd, an diesem Ich als Handelnden, Lernenden und Entscheider mit den entsprechenden Konsequenzen und (Handlungs-)Anforderungen festzuhalten - trotz massiver Hinweise am Ende des Textbuches, spätestens im zweiten Teil des Übungsbuches und natürlich im Handbuch. Sonst machen die Worte des Kurses tatsächlich keinen Sinn mehr.

Ja, genau.

Zitat:
(20.05.2018, 10:27)Thomas schrieb: Dieses Selbstkonzept kann natürlich niemals die Wahl treffen, das stimmt. Aber eben deshalb kann es auch gar nicht versuchen, IHN zu vereinnahmen.

Der (gespaltene) Geist versucht ständig, IHN innerhalb des Selbstkonzepts zu vereinnahmen und dort die Wahl zu treffen.

Ja, so macht die Aussage für mich Sinn.

Zitat:Wie oft habe ich die "Forderung" zu wählen alleine in diesem Forum gelesen (vermutlich auch von mir  Updown)? Dadurch wird die Wahl vermieden bzw. zwangsläufig auf die Pillepalle-Wahlmöglichkeiten der Welt beschränkt.

Das kann man leicht verwechseln, ja.

Zitat:
(20.05.2018, 10:27)Thomas schrieb: Ich würde es so ausdrücken: ich versuche aus der Sicht des Meeres zu denken und wahrzunehmen, nicht aus der Sicht der Welle. Ganz einfach, weil es keine separaten Wellen gibt, sondern nur das Meer. Dass ich mich dabei die meiste Zeit für eine Welle halte, muss ich mir ehrlich eingestehen.

Dieses Eingeständnis hat wahrscheinlich erst einmal ein negatives Geschmäckle. Ist da irgendetwas falsch gelaufen? Habe ich etwas nicht richtig gemacht?

Solange ich am Ego leide, scheine ich ja irgendwas falsch zu machen oder mich falsch zu entscheiden. Man leidet, obwohl man nicht leiden will. Man will das Leiden loswerden und hält doch daran fest. Um Recht zu haben oder wohlig-gruselige Gefühl des Opferseins aufrecht zu erhalten.

Zitat:Ist der Kurs möglicherweise völliger Quatsch, bin ich einer geistesgestörten Betrügerin aufgesessen?

Wer weiß das schon?  Big Grin Aber mir ist inzwischen völlig egal, wie der Kurs zustande gekommen ist. Mich interessiert nur, ob er wirkt. Und er wirkt, selbst wenn das zunächst nur auf der Oberfläche zu sein scheint.....

Zitat:Es scheint ein nicht ganz einfacher Lernschritt zu sein, dass "ich" die Identifikation mit dem "Ich" nicht einfach oder mit Anstrengung ablegen kann. Das (gespaltene) Meer, das sich für eine Welle hält, bedauert, sich für eine Welle zu halten -  
sie könnte auch schlicht die Tatsache akzeptieren und auf der Basis "weiter zu machen". Nur Wellen machen, was anderes können sie gar nicht.

Anstrengung ist in diesem Zusammenhang nur kontraproduktiv, das stimmt .......

Zitat:Wenn du an der Wellenperspektive festhältst - dann hältst du an der Wellenperspektive fest (schon wieder ein "wenn"?  Big Grin ). Oder wenn du sagst:Reiner Geist bin ich, ein heiliger SOHN GOTTES, frei von allen Grenzen, sicher und geheilt und ganz, frei, zu vergeben, und frei, die Welt zu erlösen.(Lektion 97 im Sinne deines Bildes: "Ich bin das Meer."), dann ist das wohl ursprünglich eine Art Mantra, mit dem du versuchst, dich "umzustimmen". Letztlich ist es eine Bitte, ein "Lass es mich so sehen", eine Form des einen Gebets, solange noch Worte im Gebet als notwendig erachtet werden.

Das erinnert mich an Zen. Man meditiert, um am Ende Satori zu erlangen. Aber wenn man Satori erlangen WILL, verhindert man es dadurch geradezu.

Zitat:Btw: Das gespaltene Meer in dem Bild ergibt sich aus der Tatsache, dass das Meer eine Oberfläche hat, an der es sich teilt in "Meer" und "Nicht-Meer" (oder nix mehr?  Tongue ). Ohne diese Oberfläche gibt es keine Wellen.

Smile
So verstehe ich es jedenfalls.....
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#48
(28.05.2018, 12:33)Thomas schrieb: Solange ich am Ego leide, scheine ich ja irgendwas falsch zu machen oder mich falsch zu entscheiden. Man leidet, obwohl man nicht leiden will. Man will das Leiden loswerden und hält doch daran fest. Um Recht zu haben oder wohlig-gruselige Gefühl des Opferseins aufrecht zu erhalten.

Wer sind alle diese "Ichs", die du hier verwendest? Einmal scheint der gespaltene Geist als Entscheidungskompetenz ("Entscheider") gemeint zu sein, und dann ist wohl das Selbstkonzept des Egodenksystems gemeint.

Der Entscheider leidet nicht. Wenn "ich am Ego leide", dann kann das nicht sein, da dieses "ich" nur der Entscheider sein kann - der schließlich diese Welt samt Selbstkonzept kunstvoll, detailliert und mit der ihm eigenen Perfektion gemacht hat. Das Mittel zur Aufrechterhaltung dessen, was nicht existiert, ist die Angst - die jedoch nichts mit Leiden zu tun hat. Schmerz, Angst und Leiden sind keine Synonyme!

Wer ist nun das "ich", das etwas falsch gemacht hat? Der gespaltene Geist hat die Welt gemacht, weil er sie haben wollte - als Antwort auf die Frage, was das Gegenteil der Liebe ist, die alles umschließt und daher kein Gegenteil haben kann. Was ist daran "falsch"?

Welches "ich" will das Leiden loswerden? Dass ist die grundlegende Charakteristik des Selbstkonzepts, diese Streben nach Leidvermeidung und relativem Glück. So ist es konstruiert - weil der Geist es so wollte!

Ich weiß also nicht, was es bedeutet: "Man leidet, obwohl man nicht leiden will." Diesen wahnsinnigen und ziemlich bescheuerten Widerspruch sehe ich nicht, da das Leid dem Ego angehört, welches das Leid bestimmt nicht behalten will. Das Ego ist wahnsinnig, aber nicht bekloppt. Smile

Herz Gregor
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#49
(30.05.2018, 22:12)Gregor schrieb:
(28.05.2018, 12:33)Thomas schrieb: Solange ich am Ego leide, scheine ich ja irgendwas falsch zu machen oder mich falsch zu entscheiden. Man leidet, obwohl man nicht leiden will. Man will das Leiden loswerden und hält doch daran fest. Um Recht zu haben oder wohlig-gruselige Gefühl des Opferseins aufrecht zu erhalten.

Wer sind alle diese "Ichs", die du hier verwendest? Einmal scheint der gespaltene Geist als Entscheidungskompetenz ("Entscheider") gemeint zu sein, und dann ist wohl das Selbstkonzept des Egodenksystems gemeint.

Ich rede immer nur von einem "Ich". Und ich kenne nur ein "Ich" - das ich eben bin: Der SOHN GOTTES, Geist, gespaltener Geist, Träumer, Beobachter, Entscheider. Viele
Begriffe, die immer wieder nur auf eines zurückgehen - auf mich selbst. Zwar in verschiedenen "Zuständen", aber doch immer ich. Und die meiste Zeit bin ich mit meinem Selbstkonzept identifiziert, klar. Aber dieses tut und entscheidet nichts und leidet auch nicht.

Zitat:Der Entscheider leidet nicht.

Ich leide, wer sonst? Ich als gespaltener Geist (von dem der Entscheider nur ein fiktiver Aspekt ist). Das Selbstkonzept leidet nicht, da es nur geträumt ist. Ok, man könnte es auch so ausdrücken, dass gar keiner leidet, sondern nur Leiden geschieht. Aber ich bin es wiederum, der des Leidens gewahr ist.

Zitat:Wenn "ich am Ego leide", dann kann das nicht sein, da dieses "ich" nur der Entscheider sein kann - der schließlich diese Welt samt Selbstkonzept kunstvoll, detailliert und mit der ihm eigenen Perfektion gemacht hat.

Ja, und deshalb an ihr leidet. So verstehe ich es.

Zitat:Das Mittel zur Aufrechterhaltung dessen, was nicht existiert, ist die Angst - die jedoch nichts mit Leiden zu tun hat. Schmerz, Angst und Leiden sind keine Synonyme!

Mag sein. Aber wie weit wollen wir Begriffe auseinanderdividieren? Das Spiel können wir ewig weitertreiben. Dann hätten wir noch Furcht, Sorge, Bangen, Pein, Qual.
Meinst du, dass mit "Schmerz" eine körperliche Empfindung gemeint ist und mit "Leiden" eine psychische?

Zitat:Wer ist nun das "ich", das etwas falsch gemacht hat? Der gespaltene Geist hat die Welt gemacht, weil er sie haben wollte - als Antwort auf die Frage, was das Gegenteil der Liebe ist, die alles umschließt und daher kein Gegenteil haben kann. Was ist daran "falsch"?

Du fragst ja wie ein Neo-Advaiti! Big Grin Für die ist auch nichts falsch. Kommt ja immer darauf an, von welcher Ebene aus man das fragt. Aus absoluter Sicht ist nichts daran falsch, weil es gar nicht geschehen ist. Hier innerhalb dieser scheinbaren Welt aber, wo ich leide, erscheint es mir durchaus falsch Zwinker

Zitat:Welches "ich" will das Leiden loswerden? Das ist die grundlegende Charakteristik des Selbstkonzepts, dieses Streben nach Leidvermeidung und relativem Glück. So ist es konstruiert - weil der Geist es so wollte!

Guter Einwand! Tatsächlich denke ich, dass "wir alle" vielleicht am Anfang den Kurs begonnen haben, um vermeintlich individuelles, persönliches Leiden zu beenden und die Lebenssituation der Person zu verbessern. Ich glaube aber, dass dahinter aber schon der Drang des "Träumers" steckt, wieder zu erwachen.

Zitat:Ich weiß also nicht, was es bedeutet: "Man leidet, obwohl man nicht leiden will." Diesen wahnsinnigen und ziemlich bescheuerten Widerspruch sehe ich nicht, da das Leid dem Ego angehört, welches das Leid bestimmt nicht behalten will. Das Ego ist wahnsinnig, aber nicht bekloppt. Smile

Aber innerhalb der Ego-Welt gibt es doch ständig diese Widersprüche! Das Ego will dem Geist einen Ersatz für den HIMMEL anbieten, scheitert aber kläglich. Es will zugleich Nähe und Distanz, Liebe und auch Trennung usw. Ich sehe überall diese Widersprüche. Das fängt schon an mit dem Satz: Jeder will alt werden, aber keiner will alt sein Smile

viele Grüße,
Thomas
So verstehe ich es jedenfalls.....
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#50
(31.05.2018, 18:57)Thomas schrieb: Du fragst ja wie ein Neo-Advaiti!  Big Grin Für die ist auch nichts falsch. Kommt ja immer darauf an, von welcher Ebene aus man das fragt. Aus absoluter Sicht ist nichts daran falsch, weil es gar nicht geschehen ist. Hier innerhalb dieser scheinbaren Welt aber, wo ich leide, erscheint es mir durchaus falsch Zwinker

Keine Ahnung, was in der Advaita-Szene gerade modern ist. Ich stelle einfach nur fest, dass Begriffe wie "richtig machen" und "falsch machen" zum Leiden führen, zu Schuldgefühlen, zu Versagensängsten und damit einfach Ausdruck des Selbstkonzepts sind. Diese "Richtig"- und "Falsch"-Kategorierung ist in den notwendigen Macherphasen des Kurses sicherlich angebracht, schließlich gibt es eindeutige Instruktionen in den Lektionen und eindeutige Aussagen im Textbuch und wenn man sich nicht daran hält und lieber sein eigenes Süppchen kocht, dann ist der Begriff "falsch" durchaus angesagt.

Aber für mich führt der Kurs zwangsläufig über kurz oder lang zu der Einsicht, dass ich gar nichts falsch machen kann. Für das empfundene "Ich", das Selbstkonzept als Bestandteil des Ego-Denksystems, ist das meiste falsch (i.d.R. das, was andere machen), und es ist dazu gemacht, sich Asche aufs Haupt zu streuen und zu leiden - ganz offen und heftig oder unterschwellig, kaum merklich.

(31.05.2018, 18:57)Thomas schrieb: Und ich kenne nur ein "Ich" - das ich eben bin: Der SOHN GOTTES, Geist, gespaltener Geist, Träumer, Beobachter, Entscheider. Viele Begriffe, die immer wieder nur auf eines zurückgehen - auf mich selbst.

Die Überzeugung, dass es ein objektives Selbst gibt und "du" nur verschiedene Rollen und Identifikationen spielst, ist offenbar äußerst hartnäckig. Was du das eine "Ich" nennst, das du kennst - es existiert nicht. Das Selbst ist, wie es so schön in den "Ergänzungen" heißt, das Nichts, das in IHM verschwindet. Kurs, nicht Advaita.

Du kannst nichts falsch machen. Wenn du es natürlich vorziehst, zu leiden, dein Haupt mich Asche zu bedecken, die Schuld hochzuhalten und nach Angst und Strafe zu rufen - um unbedingt die Macherkontrolle aufrecht zu erhalten ... dann hast du nichts falsch gemacht. Weil du einfach nichts falsch machen kannst. Zumindest als Kursschüler nicht, es gibt da sicherlich spirituelle Lehren, die das anders postulieren.

Herz Gregor
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