Wenn., wenn, wenn
#1
Wenn, wenn, wenn...

Gnade ist beschämend wie ein Schreck. 
Man erlangt sie und ist wie erschrocken. 
Man verliert sie und ist wie erschrocken.

Frage: Ich lese immer wieder von der "dunklen Nacht der Seele".

Karl: Das ist die letzte Seele, die fällt.

Frage: Muss das denn sein? Es wird immer als so fürchterlich beschrieben, dass mir geradezu gruselt.

Karl: Das ist eigentlich das Schönste, was dir passieren kann. Eine vollkommene Depression. Ein vollkommenes Vakuum von Sinn. Eine vollkommene Sinnlosigkeit, die dich überfällt. Das nennt man Gnade: die Gnadenlosigkeit, in der du keinen Sinn mehr in der Welt siehst - wo weder Sinn in der Welt, noch im Geist, noch in irgendetwas zu finden ist, da erlöst sich der Sucher. Aber meistens endet es natürlich nicht da, sondern in irgendeiner Pillenanstallt. Weil da doch noch vor der Sinnlosigkeit davongelaufen oder woanders nach Gnade gesucht wird. 
Alle haben dir den Himmel auf Erden versprochen: 'Wenn du mir nur folgst!' 'Wenn du das tust, was ich tue'..., wenn, wenn, wenn. 
Wenn du dich gottgefällig verhältst, dann schafft Gott dir das Paradies auf Erden... Wenn, wenn, wenn. 
Wenn ich die dunkle Nacht der Seele durchquere... wenn, wenn, wenn. 
Oder ob das auch anders geht, wenn zum Beispiel...? Wenn, wenn, wenn... 
Das hält das ganze Ding im Gange.

Karl Renz


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#2
Da kann ich dem Karl nur zustimmen, viel zu viele "Wenns". Eigentlich ist ein "Wenn" ausreichend - um den angesprochenen Sucher nicht zu erlösen.

Heißt das nun, sehr bewusst diesen "Wenns" nachzuspüren, auf der (Beobachtungs-)Lauer zu liegen und sie - sobald sie auftauchen - loszulassen? Wenn man es mag, sich als Versager zu fühlen und die Schuld zelebrieren möchte, die der Vergeblichkeit dieses Vorgehens entspringt, nur zu. Oder verschreibt man sich besser dem "Nicht-Tun", da das Selbstkonzept (oder "Ich") ja nichts in Hinblick auf die angesprochene Erlösung bewirken kann? Falls man die zitierte Pillenanstalt zum Ziel hat, wäre das ein guter Ansatz ...

Hier legt der Karl den Finger in die (Kurs-)Wunde, denn diese "dunkle Nacht" ist dem Kurs nicht fremd; zum Beispiel in T-31.IV.2-3:

Eine wirkliche Wahl ist keine Illusion. Die Welt hat jedoch keine anzubieten. Alle ihre Wege führen nur in die Enttäuschung, in das Nichts und in den Tod...
Wo jedes Ende feststeht, gibt es keine Wahl... Die Zahl der Wege, die die Welt anbieten kann, scheint ziemlich groß zu sein; die Zeit muss aber kommen, wo jeder zu sehen beginnt, wie ähnlich sie einander sind. Manche Menschen sind gestorben, als sie dieses sahen, weil sie keinen Weg erblickten außer jenen Pfaden, die angeboten werden von der Welt. Und als sie lernten, dass sie nirgendwohin führen, verloren sie die Hoffnung. Und dennoch war dies ebenjene Zeit, in der sie ihre größte Lehre hätten lernen können. Alle müssen diesen Punkt erreichen und über ihn hinausgehen. Es ist tatsächlich wahr, dass es innerhalb der Welt gar keine Wahl gibt.


Hier liegt sie, die "vollkommene Depression. Ein vollkommenes Vakuum von Sinn. Eine vollkommene Sinnlosigkeit, die dich überfällt."

Auch der Übergang von der Phase 4 des Zur-Ruhe-Kommens zur Phase 6 der Vollendung, der Übergang vom Selbstkonzept zur wirklichen Welt, vom Ich zum Nicht-Ich (Phase 5 des Ins-Wanken-Bringens), wird so empfunden:

Jetzt muss der Lehrer GOTTES verstehen, dass er nicht wirklich wusste, was wertvoll und was wertlos war. Alles, was er bis jetzt wirklich gelernt hatte, war, dass er das Wertlose nicht wollte und dass er das Wertvolle wollte. Doch sein eigenes Aussortieren war bedeutungslos dafür, ihn den Unterschied zu lehren. Die Idee des Opferns, so zentral für sein eigenes Denksystem, hatte es ihm unmöglich gemacht, zu urteilen. Er dachte, er habe Bereitwilligkeit gelernt, doch jetzt sieht er, dass er nicht weiß, wofür die Bereitwilligkeit ist. Und jetzt muss er einen Zustand erlangen, der möglicherweise für eine lange, lange Zeit unerreichbar bleiben wird. Er muss lernen, alles Urteilen wegzulegen und nur um das zu bitten, was er in jeder Situation wirklich will. Würde nicht jeder Schritt in diese Richtung so nachdrücklich verstärkt, wäre es fürwahr schwierig! (H-4.A.7)

Herz Gregor
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#3
(20.05.2018, 15:05)Gregor schrieb: Da kann ich dem Karl nur zustimmen, viel zu viele "Wenns". Eigentlich ist ein "Wenn" ausreichend - um den angesprochenen Sucher nicht zu erlösen.

Heißt das nun, sehr bewusst diesen "Wenns" nachzuspüren, auf der (Beobachtungs-)Lauer zu liegen und sie - sobald sie auftauchen - loszulassen? Wenn man es mag, sich als Versager zu fühlen und die Schuld zelebrieren möchte, die der Vergeblichkeit dieses Vorgehens entspringt, nur zu. Oder verschreibt man sich besser dem "Nicht-Tun", da das Selbstkonzept (oder "Ich") ja nichts in Hinblick auf die angesprochene Erlösung bewirken kann? Falls man die zitierte Pillenanstalt zum Ziel hat, wäre das ein guter Ansatz ...

Hier legt der Karl den Finger in die (Kurs-)Wunde, denn diese "dunkle Nacht" ist dem Kurs nicht fremd; zum Beispiel in T-31.IV.2-3:

Eine wirkliche Wahl ist keine Illusion. Die Welt hat jedoch keine anzubieten. Alle ihre Wege führen nur in die Enttäuschung, in das Nichts und in den Tod...
Wo jedes Ende feststeht, gibt es keine Wahl... Die Zahl der Wege, die die Welt anbieten kann, scheint ziemlich groß zu sein; die Zeit muss aber kommen, wo jeder zu sehen beginnt, wie ähnlich sie einander sind. Manche Menschen sind gestorben, als sie dieses sahen, weil sie keinen Weg erblickten außer jenen Pfaden, die angeboten werden von der Welt. Und als sie lernten, dass sie nirgendwohin führen, verloren sie die Hoffnung. Und dennoch war dies ebenjene Zeit, in der sie ihre größte Lehre hätten lernen können. Alle müssen diesen Punkt erreichen und über ihn hinausgehen. Es ist tatsächlich wahr, dass es innerhalb der Welt gar keine Wahl gibt.


Hier liegt sie, die "vollkommene Depression. Ein vollkommenes Vakuum von Sinn. Eine vollkommene Sinnlosigkeit, die dich überfällt."

Auch der Übergang von der Phase 4 des Zur-Ruhe-Kommens zur Phase 6 der Vollendung, der Übergang vom Selbstkonzept zur wirklichen Welt, vom Ich zum Nicht-Ich (Phase 5 des Ins-Wanken-Bringens), wird so empfunden:

Jetzt muss der Lehrer GOTTES verstehen, dass er nicht wirklich wusste, was wertvoll und was wertlos war. Alles, was er bis jetzt wirklich gelernt hatte, war, dass er das Wertlose nicht wollte und dass er das Wertvolle wollte. Doch sein eigenes Aussortieren war bedeutungslos dafür, ihn den Unterschied zu lehren. Die Idee des Opferns, so zentral für sein eigenes Denksystem, hatte es ihm unmöglich gemacht, zu urteilen. Er dachte, er habe Bereitwilligkeit gelernt, doch jetzt sieht er, dass er nicht weiß, wofür die Bereitwilligkeit ist. Und jetzt muss er einen Zustand erlangen, der möglicherweise für eine lange, lange Zeit unerreichbar bleiben wird. Er muss lernen, alles Urteilen wegzulegen und nur um das zu bitten, was er in jeder Situation wirklich will. Würde nicht jeder Schritt in diese Richtung so nachdrücklich verstärkt, wäre es fürwahr schwierig! (H-4.A.7)

Herz Gregor
Danke Gregor für deinen Kommentar. Ich fand den Beitrag von Karl für mich beruhigend, da er das erscheinen und vergehen der Vergebung (der Schau) anspricht. Steht nicht viel im Kurs darüber, ausser an 2-3 Stellen. Es beruhigt mich sehr zu wissen nichts falsch gemacht zu haben nur weil das Licht nun auszugehen scheint. Alles nach Plan, bleibt nur das Unbekannte...

Herz Simon


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#4
(20.05.2018, 16:17)Simon schrieb: Danke Gregor für deinen Kommentar. Ich fand den Beitrag von Karl für mich beruhigend, da er das erscheinen und vergehen der Vergebung (der Schau) anspricht. Steht nicht viel im Kurs darüber, ausser an 2-3 Stellen. Es beruhigt mich sehr zu wissen nichts falsch gemacht zu haben nur weil das Licht nun auszugehen scheint. Alles nach Plan, bleibt nur das Unbekannte...

Oh ja, alles nach Plan, absolut kein Grund, sich Sorgen zu machen. Wie heißt es so schön ganz am Ende von Kapitel 31.V.17:

Und WAS du bist, wird dir von SICH berichten.

Das kannst du letztlich nicht verhindern, denn die Schranken lassen sich nicht ewig hochhalten. Irgendwann werden die Arme lahm ...

Herz Gregor
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#5
(20.05.2018, 17:19)Gregor schrieb: Oh ja, alles nach Plan, absolut kein Grund, sich Sorgen zu machen. Wie heißt es so schön ganz am Ende von Kapitel 31.V.17:

Und WAS du bist, wird dir von SICH berichten.

Das kannst du letztlich nicht verhindern, denn die Schranken lassen sich nicht ewig hochhalten. Irgendwann werden die Arme lahm ...

Herz Gregor

Danke für deine Worte! Gott sei dank!  Smile

Herz Simon


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