Die Schau - den Bruder heilen?
#1
Brauche ich den Bruder für die Schau, und heile ich den Bruder mit ihr oder blicke ich nur anders auf ihn mit einer geheilten Sicht, die aber eben meine und nicht seine ist?

»Heilung« ist Veränderung zum Gesundsein. Es muss etwas krank sein, damit es heilen kann. Veränderung aber ist an sich schon der Beweis dafür, dass das, was sich verändert, unwahr ist, denn die Wahrheit ist unveränderlich EINS.
Dennoch: In der Welt, in der ich wahrnehme, ist Veränderung eine grundsätzliche Bewegung, es gibt hier rein gar nichts, das sich nicht verändern würde, und zwar ständig und unaufhörlich.
Die »geheilte Sicht«, auf die wir zugehen und die wir zu der unseren werden lassen wollen, beginnt ja bekanntlich mit dem Eingeständnis, dass alles, was ich sehe, unwahr ist, die Dinge, meine Gedanken, meine gesamte Wahrnehmung »ohne Bedeutung« ist, wie uns das der Kurs nassforsch in den ersten Lektionen zumutet als da noch nicht zu schluckende Kröte.
Und dann erst der zweite Schritt: Ich werde gebeten, in Betracht zu ziehen, dass ich und allein ich es bin, der »sich das alles angetan hat« – die gesamte verdrehte Sicht auf die Welt, und dass ich deshalb auch für alle Wirkungen, die diese Sicht hervorgebracht hat, verantwortlich bin, wie Knieschmerzen, Haarausfall und Lottogewinne.

Das hat schon gedauert bei mir, bis in mir aufgedämmert ist, auf welcher Ebene des »Seins« wir uns da mit solchen Überlegungen bewegen. Das ist ja Firlefanz solange, bis mir allmählich klar wird: Es stimmt einfach! Es ist wahr: Am tiefsten Punkt in meinem Geist, wirklich auf dem Meeresboden, da, wo ich doch noch weiter runtergetaucht bin, obwohl ich schon keinen Athem mehr hatte, finde ich die Perle der Einsicht – da ist ein Entschluss, »eignene Gedanken« haben zu wollen und zu können. Und ab hier hast auch »du« eigene Gedanken und bist etwas anderes als ich und in dem Licht dieser Entscheidung, dass ich unabhängig von dir denken kann, seh ich eine vollkommen in sich hermetisch stimmige »Welt« mit all ihren Unterschieden, Distanzen, Zeiten, Geburten und Toden.

Tatsächlich: Bin immer nur »ich«, der das so »will«: Wer bitte sonst? Denn im selben Augenblick, in dem ich eine andere, nämlich DIE Wahrheit zu mir kommen lassen, gibt es dich nicht mehr als Gegenüber ... sondern nur noch als Mit-mir-Denkender, der ewig aus der selben QUELLE denkt wie ich und deshalb in keinem Moment einen »eigenen« Gedanken haben kann.
Das ist nur in der Welt der Wahrnehmung befremdlich, in der Wahrheit ist das .... die Wahrheit, die mit sich im Frieden und in Liebe ist.

Aber ich lebe nun mal in dieser Welt der Wahrnehmung, das ist mein »Ausgangsort« sozusagen. Aus ihr will ich ja entwandern. Ich kann den Ort des gemeinsamen Denkens aus der QUELLE hier nicht finden: Er ist hier nicht! Die »Welt« ist ja schließlich der Ort, der dazu entworfen ist, meine Idee von der Trennbarkeit des Denkens, von der »Dissoziation« wahr zu machen.
Hier komme ich also nur so weit: Ich kann Schritt eins machen: Die Bedeutungslosigkeit all dessen, was ich wahrnehme, anerkennen, indem ich zugestehe, dass ich bisher behauptet habe, dies hier enthalte die Wahrheit, ihre QUELLE liege sozusagen in der Welt. Das ist nicht haltbar. Diesen Schritt kann ich leicht machen: Kann nicht sein.
Dann der zweite Schritt: Ich bin allein der, der diese Täuschung verursacht hat und bitte die Wahrheit selbst um Korrektur.
Und dann ....

IST Korrektur. Sie kommt eben nicht aus der Welt, also auch nicht aus »mir«, so, wie ich mich sehe, sie kommt aus der Unveränderlichkeit der Wahrheit, die immer IST, egal, wie sehr ich und in welchen Formen ich mich darüber wegzutäuschen versuche.
In allem Sein Gedanke
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#2
Heilung aber ist Veränderung vom Kranksein zum Heilsein. Die eigentliche Korrektur ist meine Erinnerung an die Unveränderlichkeit der Wahrheit, die alles Veränderliche, also alles Unwahre, eine neue Richtung nehmen lässt: Veränderung wird nicht mehr bestimmt von unserem tiefsten weltlichen Bedürfnis, nämlich den Tod zu vermeiden (zu »leben«), sondern vom eigentlichen Bedürfnis nach eben dieser Erinnerung an das Unveränderliche. Das innere Motiv von »Veränderung« hat sich geändert, es ist nicht mehr »Überleben«, sondern Erkennen des Heilseins in GOTT.

So blicke ich also auf meinen kranken Bruder und wende die »Schau« an.
 Was ich sehe, kann nicht wahr sein. Seine Krankheit ist ein veränderliches Bild in meinem Geist, das als innerste Botschaft in sich trägt: Es gibt einen Willen, der nicht meiner ist, die »Krankheit« hat ihn im Griff, überkommt ihn, überwältigt ihn, seine Gedanken sind nicht die Gedanken dessen, was ihn krank gemacht hat.
Da bin ich wieder auf meinem (!) Meeresboden: Es ist ja immer wieder derselbe Gedanke: Ich habe beschlossen, dass »eigene Gedanken« möglich sind samt eines »eigenen Willens«, der daraus resultiert.
Die Idee der Krankheit ist für mich der Garant für die »Wahrheit« meiner Welt: Nichts hier kann sie überzeugen, einfach zu gehen, einfach nicht da zu sein, sie drängt sich machtvoll auf und einen schöneren Beweis für die Allmacht meines Denkens kann es nicht geben: Ich habe GOTT besiegt.

Also bitte ich um Heilung »meines Geistes«, bitte darum, dass die Heilung aus der QUELLE und nicht mehr aus meinem Glauben an trennende Gedanken, der Krankheit erst hervorgebracht hat, kommen möge.

Und schaue auf meinen Bruder. Hier werde ich gewahr, dass »mein eigener Geist« auch seiner ist, und dass Heilung, die aus der Korrektur »meines Geistes« kommen soll, nur zu uns beiden und zu allen Brüdern kommen kann. Ich komm an dir nicht vorbei, ganz konkret! Denn »Du«, der »eigenen Gedanken« hat, der ein »anderer« als ich ist: Das ist der Irrtum, der korrigiert werden muss. Das kann »ich« wahrhaftig nicht ohne Hilfe!
Hinter dir steht CHRISTUS, DER uns unser wahres, unser gemeinsames Denken vermittelt und der uns untäuschbar als EINS sieht.
Heilt dich das, der du nicht zu erkennen gibst, dass dich diese Überlegungen auch nur die Bohne interessieren und der allem Anschein nach gemütlich krank bleiben will?
Veränderung in die neue Richtung tritt nur ein, wenn und wo die Bereitschaft da ist, sie anzunehmen als Folge der Bitte um Hilfe aus der QUELLE.
»Ich« aber kann nur »meinen eigenen Geist« heilen, wenn ich diese Bitte für dich mit ausspreche und meine Bereitwilligkeit für dich mit gebe.
Denn sonst würde ich an meinem falschen Verständnis von dem festhalten, was mein »eigener Geist« ist. Jetzt habe ich verstanden: Es ist mein JETZIGES Denken mit dir!

Wo wird Korrektur gegeben? Wo in sie eingewilligt wird. Was verändert sich in welcher Form durch diese Korrektur und bei wem? Es »verändert« sich prinzipiell der scheinbar zersplitterte »Gottessohn« zum EINEN, und das nimmt exakt die Form an, die der Bereitschaft der einzelnen »zersplitterten« Teile, die sich mit ihrem Willen noch in der Welt der Wahrnehmung auseinanderhalten, entspricht.

Ich kann nicht allein heil werden. Wenn ich dir begegne, in welchem Zusammenhang auch immer, dann muss ich dich heilen, um heil zu werden. Dann muss ich »meinen Geist« in SEINE Hände legen, auf dass er uns beiden zurückgibt, was uns zu IHM zurückzufinden hilft.
In allem Sein Gedanke
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#3
Schöner Aufsatz, lieber Michael -- danke dir.
Und zugleich: starker Tobak, falls er vom Ego gelesen wird....

Heilt dich das, der du nicht zu erkennen gibst, dass dich diese Überlegungen auch nur die Bohne interessieren und der allem Anschein nach gemütlich krank bleiben will?

Big Grin     Klatsch     Big Grin
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"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
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