Ich hab' auf dich gewartet, Schwester Hexe!
#1
In letzter Zeit hat mich ein besonderer Konflikt beschäftigt, und heute, nachdem mich gestern ein veritabler Hexenschuss aus den Socken gehauen hat und ich erstaunlicherweise jetzt kaum noch was davon merke, scheint mir mit dieser körperlichen Wiederaufrichtung die Antwort mitgekommen zu sein: Ich kann den Konflikt nicht mehr sehen!
Was ich meine, ist dies: es gibt diese scheinbare Unvereinbarkeit zwischen dem Erreichen eines „tiefen Friedens“, dem „Erlöstsein“, dem Bewusstsein, dass es „nur ein Leben gibt, das ich mit GOTT teile“ und der Aufforderung, unsere „Funktion“ nicht zu vergessen, der Bitte, dem CHRISTUS beim Heilen zu helfen, zu vergeben und immer wieder zu vergeben.

Praktisch gesehen drückt sich dieser Konflikt z.B. in einem Hexenschuss aus: Wie kann das nur sein, wo ich doch gerade gestern diesen Frieden so deutlich erfahren habe! Oder in anderen Qualen und Anfechtungen, die einem immer mal auflauern. Oder – und da besonders: in der Frage, inwieweit ich für den Bruder verantwortlich bin, der von dem Frieden, den ich empfinde, nichts wissen will, dem Bruder, der dennoch krank wird, dem Bruder, der dennoch Krieg führt, dem Bruder, der sich nach dem Sieg über das gegnerische Fußballteam „tierisch“ freut, dem Bruder, der mich persönlich angreift? Und all die Dinge, die doch scheinbar „unverrückbar“ bleiben von meinem dollen „Frieden“? Nein, ich will ihn nicht klein machen, wenn er echt ist, spürt man ja, dass er echt ist und dass er nicht von dieser Welt ist und dass man wohl echte Schritte gemacht haben muss, wenn man ihn empfindet. Aber nach außen geschaut, scheint er doch … total ohnmächtig zu sein…. und so soll ich einst gehen aus dieser Welt? Mit einem Privatfrieden, den ich nur in einer Haltung der Toleranz anderen auch zugestehe und in einer Idee vom Einssein anderen überstülpe wie eine Tüte übern Kopf? Ich seh in weiten Teilen der „Welt“ nichts von dem Frieden, den ich im Inneren spüre.

Das ist der Konflikt. Oder besser: Das scheint ein Konflikt zu sein.
Der gut geschulte Kursler wird natürlich spontan und richtigerweise antworten: es liegt doch an dir: Solange du deinen Frieden nicht auch im anderen siehst, ist es nicht der wahre Frieden.
Danke für den Hinweis. Das war die Art, wie ich zu dem Maß an Frieden gelangt bin, den ich bereits spüre. Aber ich wiederhole: So soll ich am Ende gehen? Mit diesem Tröpfchen gemeinsamen Friedens? Auf den die Welt mit stoischem Schweigen reagiert? Jenseits aller Theorie: Das ist, was ich empfinde.

Der gut geschulte Kursler hat, obgleich er an seinem Erleben vorbeiredet, dennoch und vor allem mal recht! Ich will den ganzen Frieden noch nicht sehen. Da ist kein Konflikt außer in dem, dass ich ihn will! Ich will mich noch ein bisschen von der Hexe des Zweifels beschießen lassen, da fühl ich mich wohler in Sachen Frieden, wenn die Hexe gleich mit mir geht, das ginge mir dann doch zu weit!
Und sie geht gleich mit! Es gibt gar keinen anderen Frieden als den, wo die Hexe gleich mitgeht! Es gibt nur DEN Frieden, und die einzige Frage ist: Will ich das schon rückhaltlos oder noch nicht?

Und um dieses „rückhaltlos“ geht es. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Im Wiederaufrichten aus einem Hexenschuss, aus einer schmerzhaft gekrümmten Position in die Vertikale, geht mir das in Gänze auf: Wenn es sein darf, wenn der Zweifel an der gegenwärtigen Anwesenheit der LIEBE „da“ sein darf in seinen Millionen Formen, wenn er da sein darf nicht, um ihn „auszuhalten“, sondern damit er endlich an der Oberfläche ist, an der er „genommen“ werden kann …. wenn ich erst mal im Akzeptieren einer in ihrem Zweifel wie erstarrt wirkenden Welt vollkommen rückhaltlos JA sagen kann, bin ich da, wo ich den GANZEN FRIEDEN erlebe: Selbst nicht mehr die Erstarrung aktiv unterstützend, kann ich sie zulassen, damit ER sie nimmt. Ich gehe IHM einfach aus dem Weg. Und das kann ich nur, wenn ich diesen Moment vollkommen mit dir teile, wenn ich das, auf das ich gerade schaue, nicht an dem Zweifel, den es mir auszudrücken scheint, beurteile, sondern MIT DIR, DIE DU DIESELBE BIST, dem WORT GOTTES Raum gebe.

Da ist kein Konflikt zwischen meinem Frieden und deinem Zweifel, zwischen meinem Zweifel und deinem Frieden. Da ist nur die Einwilligung, beim HEILEN zu helfen. Dafür „warten“ wir aufeinander, nicht, um uns aufzuhalten, sondern um uns zu helfen, vollständig zu werden. Wir sind EINS.


Smile
In allem Sein Gedanke
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#2
Genau das ist es, Michael: Ich will den Frieden nicht sehen. Ohne wenn und aber.

Aber dann kommt die große Wende, der Kurs zeigt Wirkung, und das schon nach nur 20 Jahren:
Ich will den Frieden noch nicht sehen.

Na, das nennt man Fortschritt. Ein Paradigmenwechsel.  Lmao

Oder, die katholische Version:
Herr, lass mich keusch sein.
Aber jetzt noch nicht.

Aber, das Dolle ist: Das ist wirklich ein Paradigmenwechsel. Von dort ist der Schritt sehr überschaubar.

Herz Gregor
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#3
(30.06.2021, 22:48)Gregor schrieb: Aber, das Dolle ist: Das ist wirklich ein Paradigmenwechsel. Von dort ist der Schritt sehr überschaubar.

Herz Gregor

Das klingt sehr ermutigend. 

Selbst für einen Katholiken. Smile

Herz  toni
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