Völlig de-identifiziert?
#1
Ich würde euch - vor allem Gregor - gern etwas fragen.

In der spirituellen Szene - vor allem bei Advaitis und Zennies - heißt es oft, wenn man seine wahre Natur erkannt habe, dann würden zwar weiterhin alle Gefühle wie Schmerz, Leid, Zorn, Angst ablaufen, aber da sei dann kein "ich" mehr, das Träger dieser Gefühle sein könne. Man sei also mit diesen Gefühlen nicht mehr identifiziert, man betrachte nur, wie sie ablaufen, sei aber selbst jenseits davon, weil man sie "transzendiert" habe.

Mir war das immer suspekt, schon früher, und ich hatte immer den Verdacht, dass das im Grunde ein Selbstbetrug ist. Man wütet und tobt und behauptet, tja, das sei halt der Körper, aber man selbst sei dies ja nicht. Der Kurs scheint mich zu bestätigen. Wenn mein Geist aufgefühlt wird durch negative Gefühle und Gedanken, dann habe ich mich in dem Moment schlichtweg vergessen und fühle mich getrennt. Wenn dem nicht so wäre, würden diese negativen Gefühle gar nicht erst entstehen.

Sehe ich das richtig, oder betrachte ich dabei zu sehr die äußere Form, das Verhalten?
So verstehe ich es jedenfalls.....
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#2
Zum Stichwort "Ichlosigkeit": Ohne das Ich/Ego gibt es keine Wahrnehmung, also auch keinen Zorn, Ärger, Neid, keine Euphorie etc., keinen Körper, keine Welt. Wo also noch Wahrnehmung stattfindet, ist also stets das Ich/Ego mit im Spiel.
Der Kurs sagt nun aber nicht: Höre auf wahrzunehmen - was Unsinn wäre, weil Wahrnehmung nur eine Wirkung, keine Ursache ist -, sondern entscheide Dich, mit wem Du wahrnimmst - dem Ego oder dem HG. Nur letzteres wird Dich Schritt für Schritt aus dem Schlamassel befreien. Weil die Vergebung oder rechtgesinnte Wahrnehmung die einzige Illusion ist, die die Ursache der Illusion, d.h. den Trennungs- bzw. Autonomiegedanke (= das Ich/Ego), aufhebt und damit der Wahrnehmung (resp. der Welt, dem Körper etc.) allmählich und sanft die Grundlage entzieht.

Neo-Advaita, Zen etc. haben eine ganz andere Logik, die sich mir inzwischen entzieht. Man kann sie nicht mit dem Kurs vergleichen. In ihrem Denksystem mag es also so sein, wie Du beschreibst. Ich habe keine Ahnung, ob man damit ans Ziel kommt oder in eine Falle gerät. Es interessiert mich auch irgendwie und interessanterweise seit einiger Zeit immer weniger und nun nicht mehr.
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#3
als Überschrift hab ich erst mal desinfiziert gelesen und gedacht.. aha!

ich bin ja über meinen momentanen Zusatnd selbt am Grübeln... hab nach wie vorkeine Ahnung, ob ich die Auswirkung von Depression/Gefühlskälte/Gefühlosigkeit spazieren trage oder ne "Auswirkung" vom Kurs...

mir kommt es vor, als habe das dauerhafte Üben der de-identifizierung (meine gedanken bedeuten nichts, Groll ist niemals gerechtfertigt, sieht den Bruder als erlöst etc.) etwas bewirkt, was mich zwar das Drama spüren und erleben lässt, mich allerdings nicht mehr verschlingen kann/ keine Macht mehr über mich hat. Ich fühle wohl Schmerz, Trauer und Freude etc. aber mit einer gewissen "Unbeteiligung/Abstand" und es überrennt/überwältigt mich nicht mehr, es bleibt ein Ruhepol - ein Ort, an den ich mich erinnern kann/ wo ich sein kann, in Frieden und Ruhe obwohl der Schmerz gar heftig tobt... und ich fühle das sehr wohl körperlich, den Schmerz der Trauer oder Enttäuschung...

aber es ist anders, es ist nicht mehr "absolut" es gibt den Hort der Ruhe, der davon nicht belastet wird...

ob das Depression ist oder Kurs"gut" weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Katzen sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis verbreitet - über dem 70. Breitengrad kommen Katzen gar nicht vor.
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#4
Ja, da kursieren auch so Sprüche wie: "Es gibt nur Handlung, aber keinen Handelnden." Sinnig, aber totaler Blödsinn. Handlung und Handelnder sind nun mal zwei Seiten einer Medaille und lassen sich so wenig trennen wie Ursache und Wirkung.

Und Ichlosigkeit hat nichts mit Befreiung vom Ego zu tun, da der Egobegriff wesentlich weiter geht, als nur das Empfinden eines abgegrenzten Ichs. Dieser Wegfall des Ichs ist zunächst mal ein psychologisches Phänomen statt ein spirituelles. Wird gerne verwechselt. Und total überschätzt. Denn es bedeutet noch lange nicht, dass die Wertschätzung dessen, was der Kurs Ego nennt, überwunden ist.

Was die Gefühlsstürme angeht: sie entspringen Beurteilungen im Ego-Denksystem. Wozu sollen sie in dem, was der Kurs "Wirkliche Welt" nennt, dienen? Der Körper ist nicht autonom, sondern ein Denkmuster im Geist. Der Geist bestimmt, was der Körper tut (und dazu gehören private Gedanken und Gefühle). Wozu dienen dem Geist Gefühlsstürme in der Wirklichen Welt? Mit Ichlosigkeit hat das nichts zu tun, denn das ist nur ein kleiner Aspekt der Wirklichen Welt.

Herz Gregor
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#5
(27.01.2014, 15:05)667 schrieb: als Überschrift hab ich erst mal desinfiziert gelesen und gedacht.. aha!

Lmao
Humor hilft oftmals auch, den Geist zu lockern
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#6
(27.01.2014, 21:36)Gregor schrieb: Und Ichlosigkeit hat nichts mit Befreiung vom Ego zu tun, da der Egobegriff wesentlich weiter geht, als nur das Empfinden eines abgegrenzten Ichs. Dieser Wegfall des Ichs ist zunächst mal ein psychologisches Phänomen statt ein spirituelles. Wird gerne verwechselt. Und total überschätzt. Denn es bedeutet noch lange nicht, dass die Wertschätzung dessen, was der Kurs Ego nennt, überwunden ist.

Danke.
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#7
(27.01.2014, 14:40)Stephan schrieb: Zum Stichwort "Ichlosigkeit": Ohne das Ich/Ego gibt es keine Wahrnehmung, also auch keinen Zorn, Ärger, Neid, keine Euphorie etc., keinen Körper, keine Welt. Wo also noch Wahrnehmung stattfindet, ist also stets das Ich/Ego mit im Spiel.
Der Kurs sagt nun aber nicht: Höre auf wahrzunehmen - was Unsinn wäre, weil Wahrnehmung nur eine Wirkung, keine Ursache ist -, sondern entscheide Dich, mit wem Du wahrnimmst - dem Ego oder dem HG. Nur letzteres wird Dich Schritt für Schritt aus dem Schlamassel befreien. Weil die Vergebung oder rechtgesinnte Wahrnehmung die einzige Illusion ist, die die Ursache der Illusion, d.h. den Trennungs- bzw. Autonomiegedanke (= das Ich/Ego), aufhebt und damit der Wahrnehmung (resp. der Welt, dem Körper etc.) allmählich und sanft die Grundlage entzieht.

Ja, das würde ich auch so sehen!

Zitat:Neo-Advaita, Zen etc. haben eine ganz andere Logik, die sich mir inzwischen entzieht. Man kann sie nicht mit dem Kurs vergleichen. In ihrem Denksystem mag es also so sein, wie Du beschreibst. Ich habe keine Ahnung, ob man damit ans Ziel kommt oder in eine Falle gerät. Es interessiert mich auch irgendwie und interessanterweise seit einiger Zeit immer weniger und nun nicht mehr.

Das trifft vor allem auf das Neo-Advaita zu, denke ich. Warum ich überhaupt frage: weil zwei Freunde von mir diese These vertreten, und wir dadurch natürlich immer wieder in Diskussionen kommen.....Rolleyes
So verstehe ich es jedenfalls.....
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#8
(27.01.2014, 21:36)Gregor schrieb: Und Ichlosigkeit hat nichts mit Befreiung vom Ego zu tun, da der Egobegriff wesentlich weiter geht, als nur das Empfinden eines abgegrenzten Ichs. Dieser Wegfall des Ichs ist zunächst mal ein psychologisches Phänomen statt ein spirituelles. Wird gerne verwechselt. Und total überschätzt. Denn es bedeutet noch lange nicht, dass die Wertschätzung dessen, was der Kurs Ego nennt, überwunden ist.

Ja, das macht Sinn für mich, danke!

Zitat:Was die Gefühlsstürme angeht: sie entspringen Beurteilungen im Ego-Denksystem. Wozu sollen sie in dem, was der Kurs "Wirkliche Welt" nennt, dienen? Der Körper ist nicht autonom, sondern ein Denkmuster im Geist. Der Geist bestimmt, was der Körper tut (und dazu gehören private Gedanken und Gefühle). Wozu dienen dem Geist Gefühlsstürme in der Wirklichen Welt? Mit Ichlosigkeit hat das nichts zu tun, denn das ist nur ein kleiner Aspekt der Wirklichen Welt.

Ok. Aber kann man sagen, was noch zur Wirklichen Welt gehört?
So verstehe ich es jedenfalls.....
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#9
(27.01.2014, 14:40)Stephan schrieb: Ich habe keine Ahnung, ob man damit ans Ziel kommt oder in eine Falle gerät. Es interessiert mich auch irgendwie und interessanterweise seit einiger Zeit immer weniger und nun nicht mehr.

Das ist schade. Denn du hast Begabung, verschiedene Wege geistig zu durchdringen und den Brüdern auf ihrem inneren Weg zu helfen.
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#10
(28.01.2014, 16:37)Thomas schrieb: Aber kann man sagen, was noch zur Wirklichen Welt gehört?

Ich kann dir sagen, was nicht dazu gehört:

Sitze still da und betrachte die Welt, die du siehst, und sage dir: »Die wirkliche Welt ist nicht so. Es gibt keine Gebäude darin und keine Straßen, auf denen Menschen einzeln und alleine wandeln. Es gibt keine Geschäfte, in denen Menschen eine endlose Reihe von Dingen kaufen, die sie nicht brauchen. Kein künstliches Licht beleuchtet sie, und keine Nacht bricht jemals über sie herein. Es gibt keinen Tag, der sich erhellt und dunkel wird. Es gibt keinen Verlust. Nichts gibt es dort, was nicht leuchtet und ewig leuchtet.« (T-13.VII.1)

Herz Gregor
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