Real Humans
#1
Auf Arte wird gerade die schwedische Serie "Real Humans - Echte Menschen" wiederholt, und so habe ich mir mal gestern die ersten zwei Folgen von letzter Woche aus der Arte-Mediathek reingezogen.

Es handelt von menschenähnlichen Robotern, die im Alltag als Haushaltshilfen oder in der Produktion als Arbeitskräfte eingesetzt werden. Sie sind äußerlich kaum von Menschen zu unterscheiden, aber in der Mimik etwas eingeschränkt und neigen, klaro, zu roboterhaftem logischen Verhalten.

Interessant an der (Spiel-)Serie fand ich die psychologischen Subtilitäten, und darum geht es wohl auch. Es gibt Leute, die diese Maschinen völlig ablehnen und anderer, die nicht mehr ohne leben können. Am spannendsten fand ich die Beziehungen, die zu den Maschinen aufgebaut werden, und das auch mit der Zeit von Menschen, die den Robotern zunächst skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen und sie plötzlich, ohne es zu merken, vermenschlichen und sich bei Ihnen für ein krasses Fehlverhalten entschuldigen.

Das geht bis hin zu "Liebesbeziehungen" (Sex sowieso, denn das scheint das Wesen jedes Tools zu sein, dass es auch für sexuelle Bedürfnisse eingesetzt wird, soweit möglich). Da bauen sich partnerschaftliche Gefühle auf, die Maschinen werden zu einem echten Menschenersatz. Oder Kinder fühlen sich zum Haushaltsroboter näher hingezogen als zur Mutter - er ist verständnisvoller und hat mehr Zeit.

Warum schreibe ich das? Mir ging der Gedanke durch den Kopf, wie "pervers" eigentlich unserer ganz normalen Liebesbeziehungen aufgebaut sind, die sich auf Körper beziehen. Und wie wenig das mit Liebe zu tun hat. Oder - wo ist die Grenze, was ist ein Lebewesen? Ab welchem Grad künstlicher Intelligenz kann ich in einem Roboter meinen Bruder wiedererkennen? Irgendwo auf halben Wege zwischen Kaffeemaschine und einer Maschine, die den Turing-Test besteht ("Dabei stellt ein Mensch per Terminal beliebige Fragen an einen anderen Menschen bzw. eine KI, ohne dabei zu wissen, wer jeweils antwortet. Der Fragesteller muss danach entscheiden, ob es sich beim Interviewpartner um eine Maschine oder einen Menschen handelte. Ist die Maschine nicht von dem Menschen zu unterscheiden, so ist laut Turing die Maschine intelligent." Wikipedia, Künstliche Intelligenz)? Oder gar nicht? Sind diese zweifellos besonderen Beziehungen noch "besonderer" oder gibt es da keinen Unterschied?

Herz Gregor
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#2
Zufällig hatte ich scheinbar grad auf Arte umgeschaltet, als ich eine kurze Vorschau zu dieser Serie sah. Das war vorgestern um kurz vor 20:00 Uhr, meine ich. Die Serie begann dann um viertel nach acht, wenn ich mich richtig erinnere. Das mit der menschenähnlichen Gestalt und der begrenzten Mimik fiel sofort auf. Auch mir kam der Kurs irgendwie kurz in den Sinn, als einer der Roboter zu einer "echten" Frau sagte: "Ihr habt uns so gemacht" (oder so ähnlich). Der Ausschnitt hatte mich etwas neugierig gemacht und ich überlegte ganz kurz, ob ich mir das nicht reinziehen sollte. Aber nur ganz kurz. Hatte mich dann doch fürs Pokal-Halbfinale der Biene Maja und dem VfL Golfsburg entschieden. Durch deinen Beitrag ist die Neugierde wieder da.

Herz toni
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#3
Die nächsten beiden Folgen werden heute abend ab 22:10 Uhr auf Arte gesendet (offenbar immer Donnerstags), aber man kann sie sich auch anschließend auf der Arte Mediathek sieben Tage lang am PC oder Tablet anschauen (z.Z. natürlich nur die ersten 2 Folgen, mit arte+7 gekennzeichnet).

Das Thema ist eigentlich nicht neu (allerdings m.E. in dieser Serie irgendwie etwas vielschichtiger verpackt). Ich erinnere mich da an eine Folge aus Star Trek, in der es darum ging, ob der Androide Data ein Lebewesen ist oder als Maschine dem "Eigentümer" zu Forschungszwecken zur Verfügung steht. Oder an den Schmöker des Physikers und Mathematikers Frank J. Tipler, "Die Physik der Unsterblichkeit", in dem er im Kern "mathematisch nachweist", dass die Unsterblichkeit des Menschen (bzw. der Menschheit) letzlich auf Grund der Perfektion der Maschinen erreicht wird, an dessen Ende "Gott" als eine Art Supercomputer steht (schließlich ist das Universum endlich, also sind auch alle möglichen Zustände des Universums endlich, daher kann Unsteblichkeit als Simulation begriffen werden). Vom Kurs her betrachtet ausgemachter Humbug.

Keine Ahnung, warum mich das gerade interessiert. Vielleicht eine Kindheitserinnerung, als ich Science Fiction in Form von Social Fiction verschlungen und phantasiert habe, wie es "weiter geht". Oder eine Erinnerung an das Informatik Studium. Dort gab es eine "logische Phase", ausgedehnt auf das "Leben", obwohl ich schon damals tief ins Zen eingetaucht war.

Vielleicht versuche ich auch nur, die Figuren im Traum neu zu ordnen und mir dabei darüber klar zu werden, was es mit diesen neuen Figuren auf sich hat, die unweigerlich kommen werden. Und ich werde das doofe Gefühl nicht los, dass die Frage: "Hat ein Mensch in meiner Welt eine andere Bedeutung als eine hochintelligente Maschine, die nicht vom Menschen unterschieden werden kann?" direkt auf den Holzweg führt. Es zeigt mir aber, wie tiefverwurzelt das Körperbewusstsein ist, unabhängig davon, ob es sich um einen "realen" Körper handelt oder um eine Simulation ohne klassische körperliche Merkmale.

Ich nuss mich mal mit meiner Kaffeemaschine darüber unterhalten.

Herz Gregor
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#4
Vor ein paar Jahren habe ich mal einen SF Film mit einem ähnlichen Thema gesehen. Ich weiß nicht mehr, wie er heißt. Aber da war das Kind einer Frau verstorben und man konnte dann ein "neues Geschwisterchen" kaufen für den (leiblichen - öhm, schon das klingt dann komisch Zwinker )Jungen, den sie noch hatte. Dieser Roboter war total echt und wünschte sich so sehr die gleiche Liebe und Behandlung, die sie ihrem "echten" Jungen zugute kommen ließ, ährend sie den Roboterjungen manchmal vor lauter panischer Verwirrung, weil er so echt wirkte, in die Besenkammer sperrte. Einmal hat er aus lauter Verzweiflung dann auch Spinat oder so gegessen und ging natürlich kaputt (er verformte sich so seltsam) und die Szene wurde ausführlich gezeigt samt dem Entsetzen der Familie.
Meine Reaktion darauf war tiefe Angst. Ich schaffte es nicht, den Film zu Ende zu gucken, obwohl ich es ein paar Mal versucht hatte, weil es ja schon spannend ist.
Ich vermute, da werden tiefste unbewusste Ängste und Schuld im Gottspielen angesprochen. Das Thema Genmanipulation und so geht ja auch ein bisschen in die Richtung. Wer weiß, was der getrennte Geist noch an illusionären Horrorszenarios ausheckt. Zum Glück haben wir da nicht nur die Kaffeemaschine, sondern auch ein praktisches Werkzeug vom Kurs bekommen. Zwinker
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#5
(17.04.2014, 17:16)Gregor schrieb: Ich nuss mich mal mit meiner Kaffeemaschine darüber unterhalten.

Herz Gregor

Lmao

Wenn es eine Espressomaschine ist, könnte ich eventuell beim Übersetzen behilflich sein. Big Grin
Vielen Dank für die Zusammenfassung der Ausstrahlungszeiten und -orte. Werde gleich mal in Artes Mediathek stöbern.

Den Film, den du beschrieben hast GastMM, habe ich auch gesehen. Zumindest kommt mir die Geschichte sehr bekannt vor. Vermutlich meinst du "A.I - Künstliche Intelligenz" von Steven Spielberg. Darin spielt der kleine Haley Joel Osment mit, der schon in "The 6th sense" sehr beieindruckend war.
Offenbar bin ich in dieser Hinsicht etwas einfach gestrickt. Selbst ein Bauchredner schafft es spielend leicht, sein Handpuppe für mich zum eigenständigen Leben zu erwecken, was ich ihm scheinbar sogar gerne abnehme.


Herz toni
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#6
(17.04.2014, 17:16)Gregor schrieb: Ich nuss mich mal mit meiner Kaffeemaschine darüber unterhalten.
Und? Was hat sie jesacht? Big Grin
Oder hat sie -- eben wie üblich -- bloss Kaffee ausgespeit?
____________________________________________________________________________
"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
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#7
(17.04.2014, 11:37)Gregor schrieb: Oder - wo ist die Grenze, was ist ein Lebewesen? Ab welchem Grad künstlicher Intelligenz kann ich in einem Roboter meinen Bruder wiedererkennen?

Herz Gregor

Gar nicht, glaube ich. Es sei denn, Geist (das einzige, das mein Bruder ist) "inkarniert" sich in eine Maschine...
Solange dies aber nicht geschieht, kann ich mich von hoher Intelligenz eines Roboters höchstens verblüffen und täuschen lassen und mir einbilden er hätte auch Bewusstsein, mehr nicht.

Sehen wir mal, ob ein Roboter sich eines Tages ernsthaft und ehrlich sagt: "Ich bin kein Roboter. Ich bin Geist und nach wie vor wie GOTT mich schuf!" Big Grin

Ja, und eine fröhliche Auferstehung wünsch ich allen!

Herz René
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#8
So einfach ist das nicht.
Wenn ich bedenke, dass ich Gebrauchsgegenständen namen gebe und sie in der Art vermenschliche, dass es mir auch mal schwerfällt, mein Auto zu verkaufen.....

Eine besondere Beziehung baut immer der Geist auf und projiziert auch in das Objekt, egal ob Android (Data bei Enterprise) oder Kaffeemaschine (mein kleiner Italo-Macho macht nur Crema, wenn ich freundlich mit ihm spreche) der hat btw. natürlich auch nen Namen, der Kaffee-Macho - oder Bruder...

ich sehe gerade keinen Unterschioed, ob ich in meinen Bruder, ein haustier oder ein Auto meine besondere Beziehung hineininterpretiere...
somit kann ich auch meine Katze nach Antwort fragen....

spannendes Thema
Katzen sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme der Antarktis verbreitet - über dem 70. Breitengrad kommen Katzen gar nicht vor.
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#9
(18.04.2014, 23:04)Inge schrieb:
(17.04.2014, 17:16)Gregor schrieb: Ich nuss mich mal mit meiner Kaffeemaschine darüber unterhalten.
Und? Was hat sie jesacht? Big Grin
Oder hat sie, eben wie gwohnt, bloss Kaffee ausgespeit?

Sie hat geblubbert. Machen ja viele Lmao
Und dann meinte sie, ich solle lieber mein Auto fragen. Stimmt, die Intelligenz moderner Autos übersteigt ja manchmal die der Fahrer. Big Grin

Da habe ich lieber meine Frau gefragt. Die hat die letzten Folgen mit mir zusammen angeschaut und meinte, es mache ihr Angst. Liegt das an einem "Angriff" der Maschinen auf das, mit dem wir uns als Mensch identifizieren? Und nun kommt die künstliche Intelligenz daher und zeigt uns, dass das, worauf wir uns als Menschen etwas einbilden, simuliert werden kann, also doch nicht so besonders ist? Es wird nicht mehr so unendlich lange dauern, bis eine Maschine den Turing-Test besteht ...

Und so stelle ich mir (immer noch) die Frage: "Was meint der Kurs mit 'Lebewesen'?" Alles, wozu ich eine besondere Beziehung aufbauen kann? Dann ist mein Auto wohl mit im Boot. Oder gelten nur Kohlenstoffverbindungen? Glaube ich nicht.

Und das mit der Inkarnation des Geistes ist so eine Sache. Da der Geist nicht in einem Körper inkarniert.

Herz Gregor
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#10
(19.04.2014, 12:05)Gregor schrieb: Und das mit der Inkarnation des Geistes ist so eine Sache. Da der Geist nicht in einem Körper inkarniert.

Herz Gregor

Deshalb steht es ja in Anführungszeichen.
Es gibt keinen Tod für den Geist wenn der Körper stirbt.
Wenn ein toter Körper künstlich am "Leben" erhalten wird - mit allen Funktionen - ist er trotzdem nicht lebendig, kann weder denken noch Entscheidungen treffen. Das Gehirn kann von sich aus nicht denken.

Herz René
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