Kapitel 21.VII
#1
Zentraler Punkt dieses Abschnitts sind die vier Fragen in Absatz 5:
Verlange ich nach einer Welt, die ich beherrsche, anstatt nach einer, die mich beherrscht?
Verlange ich nach einer Welt, in der ich mächtig anstatt hilflos bin?
Verlange ich nach einer Welt, in den ich keine Feinde habe und nicht sündigen kann?
Und will ich sehen, was ich verleugnet habe, weil es die Wahrheit ist?


Die Fragen drehen sich alle um Machtlosigkeit (auch die letzte). Denn darum dreht es sich in diesem Abschnitt:

Siehst du denn nicht, dass dein ganzes Elend von der merkwürdigen Überzeugung herrührt, dass du machtlos bist? Hilflos sein ist der Preis der Sünde. (1.1:2)


Diese wahrgenommene Machlosigkeit führt zum Krieg gegen den "Feind". Man muss sich ja schließlich wehren. Das ist die "logische" Folge, wenn ich mich machtlos oder als Opfer fühle. Der Feind ist noch nicht einmal bekannt, er wird nur gehasst. Die Hilflosigkeit führt zum Krieg der Rache, der Verbitterung und Bosheit, weil ich vergessen habe, dass ich mit dem "Feind" eins bin. Meine Reaktion ist sicherlich logisch - aber nicht vernünftig. Sie ist wahnsinnig. Es lassen sich in der persönlichen täglichen Kleinwetterlage wie in der weltumpannenden Großwetterlage genügend Beispiele für diesen Wahnsinn finden - aber nicht immer sofort als Wahnsinn erkennen.

Hier setzen also die vier Fragen an. Diese Fragen sind sicherlich von jedem bereits beantwortet worden - mit "Ja". Bis auf die letzte. Darum heißt dieser Abschnitt ja auch Die letzte unbeantwortete Frage. Aber was ist denn passiert bei der Antwort auf die drei ersten Fragen? Es war kein "Ja", eher ein "Ja, aber ...". Oder die Fragen wurden beantworten, anschließend wurde die Entscheidung wieder aufgehoben und später erneut getroffen. Denn, klar, ich will Macht statt Hilflosigkeit, aber da kommt dann diese spezielle Situation, in der die Hilflosigkeit und das Fühlen als Opfer doch attraktiv ist ... Sicher, ich will eine sündenlöse Welt sehen, aber in diesem besonderen Fall will ich den Körper sehen, getrennt von mir, Ursache für mein Unbehagen. Ich revidiere mein Verlangen, die Schau ist in diesem Augenblick nicht mein Ziel. Es fehlt also die Konstanz bei der Beantwortung der ersten drei Fragen: Rein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln, wieder rein, und wieder raus ...

Hier setzt die vierte Frage ein. Sie ist vom Inhalt her mit den anderen drei identisch, wurde aber noch nicht beantwortet. Der Wahnsinn sieht einen Unterschied zu den ersten drei Fragen, die Vernunft sieht sie als gleich. Warum? Die Frage erzeugt eine gewisse Angst, denn sie enthält eine eingebildete Bedrohung: Vielleicht gibt es ja doch einen Weg, die Erlösung unter Beibehaltung der Hilflosigkeit (und damit der "Feinde") zu finden. Vielleicht ist ja die WAHRHEIT, die ich verleugnet habe, der (berechtigte) Feind, gegen den ich Krieg führe und den ich hasse.

Das drückt sich selbst in Kleinigkeiten aus: Wie soll das gehen, den Bruder in der Schau sündenlos und eins zu sehen? Jeden dieser Stinkstiefel? Das "wie" ist jedoch nicht mein Problem. Es ist SEINS. Und ER hat damit kein Problem. Daher ist nicht das "wie" mein Problem, sondern das Verlangen nach der Schau. Die "kleine Bereitschaft".

Ist die vierte Frage mit "JA" beantwortet, erhalten alle Antworten auf diese vier Fragen die erforderliche Konstanz. Die (positive) Antwort auf die letzte Frage ist unumkehrbar. Daher ist sie ja auch noch nicht beantwortet.

Hier liegt der Unterschied zwischen Wahnsinn und Vernunft.

Herz Gregor
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#2
(29.03.2015, 13:34)Gregor schrieb: Hier liegt der Unterschied zwischen Wahnsinn und Vernunft.

Herz Gregor

Dieser letzte Satz in Deinem schön klaren Text hat mich auf dies gebracht:

Wer hat die 'Macht'?

Siehst du denn nicht, dass dein ganzes Elend von der merkwürdigen Überzeugung herrührt, dass du machtlos bist? Hilflos sein ist der Preis der Sünde.

Wer ist dieses 'du'?

Es könnte natürlich passieren, dass der Schüler in seiner Verwirrung über die eigene Identität meint, dass dieses 'du' die Person sei, für die er sich hält. Wenn er dabei bleibt, wird es darauf hinauslaufen, dass er denkt, diese Person erführe irgendwann so etwas wie Erleuchtung oder Erlösung. Hier wartet aber der Größenwahn, der ungeahnte Ausmaße annehmen kann.

Es ist der SOHN GOTTES. ER ist es, der nicht macht- oder hilflos ist. Während die Person der Ausdruck dieser 'merkwürdigen Überzeugung' ist.

Der Schüler muss also IHM die Führung überlassen, damit ihm seine Macht wieder dämmert.

P.S.:
Wenn ich das eben noch sagen darf:
Im Zitat oben wird in meiner Kurs-Ausgabe das weil in der vierten Frage sinnigerweise fett gedruckt.

Herz Hans
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#3
(30.03.2015, 10:41)Hans schrieb: Es könnte natürlich passieren, dass der Schüler in seiner Verwirrung über die eigene Identität meint, dass dieses 'du' die Person sei, für die er sich hält. Wenn er dabei bleibt, wird es darauf hinauslaufen, dass er denkt, diese Person erführe irgendwann so etwas wie Erleuchtung oder Erlösung. Hier wartet aber der Größenwahn, der ungeahnte Ausmaße annehmen kann.
Klatsch
____________________________________________________________________________
"Vergiss diese Welt, vergiss diesen Kurs, und komm mit völlig leeren Händen zu deinem Gott."
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#4
(30.03.2015, 10:41)Hans schrieb: Es könnte natürlich passieren, dass der Schüler in seiner Verwirrung über die eigene Identität meint, dass dieses 'du' die Person sei, für die er sich hält. Wenn er dabei bleibt, wird es darauf hinauslaufen, dass er denkt, diese Person erführe irgendwann so etwas wie Erleuchtung oder Erlösung. Hier wartet aber der Größenwahn, der ungeahnte Ausmaße annehmen kann.

Diesem Verlangen nach persönlicher Erleuchtung kann und wird sich wohl niemand verschließen können - egal, wie tief er seine Nase in nicht-duale Konzepte vertieft hat. Erst das, was der Kurs die Schau nennt, zeigt die Blödsinnigkeit eines solchen Verlangens.

Größenwahn scheint mir durch spirituelle Erlebnisse begünstigt zu werden, die für die Person bedeutungsvoll gemacht werden. Ein Abdriften vor dem Durchgang durch das torlose Tor. Erst "dahinter" ist der Weg zu Ende, nicht einen Schritt vorher.

(30.03.2015, 10:41)Hans schrieb: Es ist der SOHN GOTTES. ER ist es, der nicht macht- oder hilflos ist. Während die Person der Ausdruck dieser 'merkwürdigen Überzeugung' ist.

Das Bild gefällt mir: das "kleine ich" als Ausdruck der merkwürdigen Überzeugung, macht- und hilflos zu sein.

(30.03.2015, 10:41)Hans schrieb: Im Zitat oben wird in meiner Kurs-Ausgabe das weil in der vierten Frage sinnigerweise fett gedruckt.

In meinem Zitat ist das jetzt auch so. Smile

Herz Gregor
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#5
(30.03.2015, 20:48)Gregor schrieb:
(30.03.2015, 10:41)Hans schrieb: Im Zitat oben wird in meiner Kurs-Ausgabe das weil in der vierten Frage sinnigerweise fett gedruckt.

In meinem Zitat ist das jetzt auch so. Smile

Herz Gregor

Smile

Nicht der einzige im Kurs, aber ein intensiver Abschnitt, nicht wahr?

Lieber Gott, schenke mir möglichst bald unendliche Geduld ...

Immerhin finde ich etwas Trost im nächsten Abschnitt (VIII.4:2)

Deine Antwort auf die anderen Fragen hat es möglich gemacht, dir schon zum Teil zur geistigen Gesundheit zu verhelfen.

Wenn nun jemand im Forum von 'geistiger Teilgesundheit' sprechen würde,
'wüßten' doch gleich alle, dass es so etwas nicht gibt usw., oder?

Aber und -------- hier ruhen nun sanft viele überflüssige Worte -----------------

Schoin Dank erstmal ...

Herz Hans
Antworten
#6
(31.03.2015, 17:45)Hans schrieb: Immerhin finde ich etwas Trost im nächsten Abschnitt (VIII.4:2)

Deine Antwort auf die anderen Fragen hat es möglich gemacht, dir schon zum Teil zur geistigen Gesundheit zu verhelfen.

Wenn nun jemand im Forum von 'geistiger Teilgesundheit' sprechen würde,
'wüßten' doch gleich alle, dass es so etwas nicht gibt usw., oder?

Schoin Dank erstmal ...

Herz Hans

Lmao Ja, ich erinnere mich ans Fettnäpfchen, als ich den Versuch wagte es in %-Zahlen auszudrücken...

Herz
Antworten
#7
(31.03.2015, 17:45)Hans schrieb: Lieber Gott, schenke mir möglichst bald unendliche Geduld ...

Herz Hans

Bald?
Sofort!
Antworten
#8
(31.03.2015, 19:52)Gast MM schrieb:
(31.03.2015, 17:45)Hans schrieb: Lieber Gott, schenke mir möglichst bald unendliche Geduld ...

Herz Hans

Bald?
Sofort!

Ha,

dann kann ich aber wenigstens noch etwas länger als
Das 'kleine ich' als Ausdruck der merkwürdigen Überzeugung, macht- und hilflos zu sein mein Unwesen treiben ...
Antworten
#9
(31.03.2015, 18:43)René schrieb:
(31.03.2015, 17:45)Hans schrieb: Immerhin finde ich etwas Trost im nächsten Abschnitt (VIII.4:2)

Deine Antwort auf die anderen Fragen hat es möglich gemacht, dir schon zum Teil zur geistigen Gesundheit zu verhelfen.

Wenn nun jemand im Forum von 'geistiger Teilgesundheit' sprechen würde,
'wüßten' doch gleich alle, dass es so etwas nicht gibt usw., oder?

Schoin Dank erstmal ...

Herz Hans

Lmao Ja, ich erinnere mich ans Fettnäpfchen, als ich den Versuch wagte es in %-Zahlen auszudrücken...

Herz

Das kann ich mir vorstellen ... Big Grin ... ich hoffe, dass ich nicht dabei gewesen bin. Was sollen denn dann die Nachbarn über
Mein "kleines ich" als Ausdruck der merkwürdigen Überzeugung, macht- und hilflos zu sein denken ...
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#10
(31.03.2015, 20:11)Hans schrieb:
(31.03.2015, 19:52)Gast MM schrieb:
(31.03.2015, 17:45)Hans schrieb: Lieber Gott, schenke mir möglichst bald unendliche Geduld ...

Herz Hans

Bald?
Sofort!

Ha,

dann kann ich aber wenigstens noch etwas länger als
Das 'kleine ich' als Ausdruck der merkwürdigen Überzeugung, macht- und hilflos zu sein mein Unwesen treiben ...
davon kann ich ein Lied singen.
;)
Ich geh zum 4. Mal auf "qualifizierten" Entzug (sollte eigentlich doch eine (!) funzen), und darüberhinaus, wenn ich mich nicht verzählt habe: drei oder vier ? was gesellschaftlich als "Langzeittherapie" tituliert wird...
so - und jetzt du! Mit deiner halben Lunge und den Ziggis im Raucherbereich! Stink ab! ;)
(Ganz viel Liebe rüberschick und hoffend, dass du meinen Beitrag nicht in die falsche "Lunge" bekommst)
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